Informitziges zum Lesen

Bunter, blinkender Wildwechsel

Bunter, blinkender Wildwechsel

Wenn ich derzeit mit dem Auto durch die Lande fahre, dann erscheint mir die Vorsicht, die aufgrund Nahrung suchender Wildtiere geboten ist, flächendeckender denn je. Ich erspähe nicht nur einen beeindruckenden Hirsch oder ein scheues Reh hinter dem Knick, nein, sogar Rentiere und Eisbären begegnen mir hier und dort. Das liegt natürlich nicht an der Mannigfaltigkeit unserer heimischen Wildtiere, sondern an der Begeisterung mancher Menschen für alles, was blinkt und leuchtet – besonders in der Vorweihnachtszeit. Egal sind Farben und Leuchtintervalle, hektisch blinkend oder konstantes, warmes Licht – alles kommt in den Vorgarten. Bei manchen Grundstücken ertönt mein Ruf nach dem Wildwechsel-Schild. Um einen kleinen Bildungsauftrag nebenbei zu erfüllen: Besagtes Verkehrszeichen der StVO hat die Nummer 142. Trotz dieses Warnhinweises verlieren mehrere Hunderttausend Tiere pro Jahr – allein auf deutschen Straßen – bei sogenannten Wildunfällen ihr Leben. Das ist bedauerlich.

In Anbetracht der Tatsache, dass manche Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn auch nur zwei Rotmilane an einer Windkraftanlage verenden könnten, wäre doch – hinsichtlich der erschreckenden Zahlen zu den Wildunfällen – ein regionales zeitlich begrenztes Fahrverbot völlig angemessen. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Weihnachtsbeleuchtung.

Weil blinkende Rentiere, leuchtende Eisbären und grell winkende Schneemänner manch einem nicht genug sind, werden auch noch die Sträucher, Bäume und Tannen, die das Grundstück zieren, mit Lichterketten versehen. Nicht immer so, dass man von einer gelungenen, harmonischen Formgebung sprechen kann. Leider. Manche Lichterketten wirken wie hingeniest! Oder so, als wenn die Ästhetik, die Fähigkeit der sinnlichen Wahrnehmung dem hochprozentigen Glühwein weichen musste.

Ob nun ein dezenter Stern am Carport oder ein Sammelsurium, dessen Leuchtkraft vom Mond aus zu sehen sein müsste, das Schöne ist doch, dass wir hierzulande fast immer die Freiheit besitzen, die Gärten und Häuser nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Dennoch ein kleiner Hinweis von mir an dieser Stelle: Ungenutzte Steckdosen in der Weihnachtszeit sind keine Beleidigung für den Weihnachtsmann und sie übertragen auch KEINE Krankheiten!

Schneekönigliche Freude

Schneekönigliche Freude

Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Weihnachtsfest. Das verrät nicht nur der Kalender, auch die Laufenden Lebkuchenmeter diverser Lebensmittelgeschäfte lassen darauf schließen. Über die ersten Printen und die herzerwärmende Aussicht auf eine meiner liebsten Familienzusammenkünfte, das Weihnachtsfest, freue ich mich wieder einmal wie Bolle. Im Hinblick auf die aktuelle Jahreszeit bietet es sich jedoch an, sich wie ein Schneekönig zu freuen! Korrekt gegendert müsste es bei mir lauten: wie eine Schneekönigin. Heute aber liegt mein Augenmerk nicht auf politischer Korrektheit.

Während ich mich nämlich so schenkelklopfend freue, frage ich mich: Wer oder was ist der Schneekönig, und wie freut sich überhaupt so eine Frost-Hoheit? Ist damit Harald V. aus Norwegen gemeint? Er ist König, und Schnee liegt auf der skandinavischen Halbinsel auch. Und wenn er sich freut, freut er sich tatsächlich majestätischer oder etwa unterkühlter als andere? Bevor die vielen Fragen beginnen, mich vom Freuen abzuhalten, gehe ich der Sache auf den Grund.

Sich freuen wie ein Schneekönig hat mit meinen erhabenen, königlichen Gedanken nicht das Geringste zu tun. Ich werde vor lauter Freude also nicht zur Königin gekrönt. Schade eigentlich – ich war bereit! Vielmehr handelt es sich bei dieser lustvollen Redewendung um einen Tiervergleich. Der Schneekönig ist unser kleinster hiesiger Singvogel, den meisten als Zaunkönig bekannt. Den Beinamen Schneekönig bekam er, weil er uns Menschen selbst im frostigen Winter nicht den Rücken kehrt, um sich einen Liegestuhl am Pool irgendwo im lauen Marokko zu sichern. Bei genauer Beobachtung sieht es so aus, als säße sein Unterschnabel beim kräftigen Trällern etwas zu locker, aber irgendwas ist ja immer! Trotz Schnees und Kälte rockt er, was das Zeug hält, und zwitschert uns munter seine Arien vor. Es scheint, als hätte er die größte Freude daran! Auch wenn mein Unterkiefer fester sitzt als seiner: Die Tatsache, dass ich mich über die Winterzeit freuen kann wie ein Schneekönig, habe ich offensichtlich ihm zu verdanken.

Von Feuer und Knöpfen

Von Feuer und Knöpfen

Kürzlich löste ich in einem Kindergarten Feueralarm aus. Im Falle eines ausgebrochenen Feuers wäre das klug und geistesgegenwärtiges gewesen. Und die Wahrscheinlichkeit eines Brandes war tatsächlich gegeben, denn die wochenlange Dürre sorgte dafür, dass bereits der bloße Gedanke an einen romantischen Feuerkorb imstande war, ein Flammenmeer zu entfachen. In meinem Fall allerdings brannte nicht einmal ein harmloses Räucherstäbchen. Ich hatte schlichtweg beim Versuch, den Hochsicherheitstrakt „Kindergarten“ zu verlassen, gedankenverloren einen Knopf an der Tür gedrückt. So wie ich fast immer Knöpfe drücke, wenn ich einen Kindergarten oder eine vergleichbare Einrichtung betrete oder verlasse. Nur war besagter Knopf eben nicht der Schalter, mit dem ich die Tür entsperre. Für meinen Irrtum gibt es eine Erklärung, denn immerhin sind die Arten und Weisen der Türsicherungen inzwischen so vielfältig, dass die Erkennung und korrekte Anwendung einen Studiengang erfordert. In einer Kita muss ich in 1,80 Meter Höhe einen Knopf drücken und dann relativ zeitnah die Tür durch Gegendrücken öffnen; dann gibt es Einrichtungen, bei denen ist der Knopf eine Klingel und eine Erzieherin macht mir den Hort zugänglich; dann gibt es noch die, bei denen alle Zugangsbefugten einen Code erhalten haben; in einer anderen werde ich aufgefordert, gleichzeitig Knopf und Tür zu drücken; und bei noch einer weiteren muss ich einen doppelten Flickflack machen, damit sich die Tür öffnet. Naja … Letzteres ist natürlich übertrieben, aber: Übertreibungen verdeutlichen!

Nach meinem kleinen Ungeschick im Kindergarten habe ich mir über den – ich nenne ihn provokant – deutschen Sicherheitswahn Gedanken gemacht und ihn mit Standards aus der Zeit, als ich Kind war, verglichen. Nun ja, auch damals war Kopfsteinpflaster nicht kuschelig, aber irritiert und nachdenklich nehme ich zur Kenntnis, wie die Umgebung von Kindern heutzutage abgerundet, gepolstert, gefedert, begradigt, enthärtet und verriegelt wird – alles zu deren sogenannter Sicherheit! Das geht weit über die Eingangstüren von Kindergärten hinaus. Jeder Eventualität scheinen wir übertrieben sicherheitsorientiert mit einer Erfindung oder einer Sicherheitsbestimmung zu begegnen. Und doch werden wir immer wieder feststellen, dass wir keinen Schalter oder Knopf entwickeln können, der Unglück generell verhindert. Bevor ich beim nächsten Kitabesuch erneut die Nerven der Anwesenden strapaziere, verweise ich schon mal zu meiner eigenen Sicherheit auf den Knopf, über dem Joachim Ringelnatz, Verfasser humoristischer Gedichte, schrieb: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

25 Grad aufwärts

25 Grad aufwärts

Obwohl wir aufgrund technischer Erfindungen und Weiterentwicklungen in der Lage sind, uns rasend schnell fortzubewegen, sehr tief zu tauchen, enorm hoch zu fliegen und extrem viel mitzuteilen, gibt es nach wie vor einen Bereich, auf den wir keinen Einfluss nehmen können: das Wetter! Die zurückliegenden Wochen, ja, Monate haben uns das gezeigt.

Es fühlte sich fast so an, als zeige uns das Klima ein wenig den sogenannten Stinkefinger. Und das konnte es mir gegenüber auch ungeniert tun, denn bei Temperaturen von 25 Grad aufwärts ist meine rebellische Widerstandskraft auf dem Nullpunkt.

Die morgendlichen Stunden zwischen 4.30 und 8.00 Uhr sind die, die sich beinahe kühl anfühlen und deswegen von mir produktiv genutzt werden. Danach geht die Leistungskurve langsam, aber kontinuierlich in den Keller. Das bringt natürlich einen inneren Konflikt mit sich, denn nun folgen in der Regel die Stunden, in denen meine Tatkraft einem Arbeitgeber zur Verfügung stehen sollte. Das geht nur bei laufendem Ventilator. Der wiederum bringt zuverlässig meine Zettelwirtschaft auf dem Schreibtisch durcheinander und sorgt dafür, dass ich mich wie ein Huhn im Umluftofen fühle, aber er sichert auch mein Überleben. Irgendwas ist ja immer!

Am Nachmittag sieht es nicht viel besser aus. Ich gehe der Sonne und den heißen Temperaturen aus dem Weg wie manchmal unliebsamen Begegnungen beim Einkaufen. Während meines heliophoben Rückzugs ins kühle alte Bauernhaus frage ich mich: „Wie machen die das in Afrika?“ Meine Gedanken sind anteilnehmend bei denen, für die derartige Wettereskapaden Standard sind, und bei den Landwirten hierzulande, deren Existenz dadurch unsicherer oder gar bedroht ist.

Doch da – was ist das? Stunden später! Endlich: ein Lebensgeist! Und noch einer! Und noch einer!

Die Temperaturen fallen wieder auf ein für mich brauchbares Maß, um irgendetwas fertigzukriegen. Irgendetwas von dem, was in all den unproduktiven Stunden des Tages liegen geblieben ist. Aber auch Liegenlassen ermattet mich während klimatischer Extreme, und so falle ich bald Ruhe suchend ins Bett, um dort meiner Unsicherheit bezüglich aufkommenden Schweißes zu begegnen: Wetter oder Wechseljahre? Aber das wird eine eigene Kolumne. Um die nun auch noch zu Papier zu bringen, ist es mir viel zu heiß!

Berechtigte Zweifel oder Spießertum?

Berechtigte Zweifel oder Spießertum?

Es wird ernst: Meine Tochter will ein Tattoo! Eigentlich will sie es schon vier Jahre lang, aber was die Angelegenheit jetzt bedrohlicher denn je macht, ist die Tatsache, dass meine Tochter das 18. Lebensjahr vollendet hat. Somit ist sie volljährig – mündig – großjährig – von Rechts wegen erwachsen – voll geschäftsfähig und ich, die Mutter, bin raus!

Damals, als sie den Wunsch das erste Mal äußerte, dachte ich siegessicher: Ruhe bewahren, ein paar gut formulierte Argumente dagegen, die eine oder andere Horrormeldung von misslungenen Tätowierungen verlauten lassen und der Drops ist gelutscht! Inzwischen scheint mir meine Kapitulation unausweichlich. Ich brauche ein Gesetz – aber zackig –, welches mich auf Lebzeiten dazu berechtigt, Tattoos zu verbieten. Einfach so! Ohne Argumente und nicht nur am Muttertag!

Meine letzten Bemühungen, meine Tochter von den allzeitlichen Hautbemalungen abzubringen, gleichen einer Verzweiflungstat. Ich rede alles schön: eine Tarantel als Haustier, grün-lila gefärbte Haare oder meinetwegen auch eine Glatze, Lyrik und Prosa, das Trampen – auch nachts, Sandalen mit Socken und von mir aus auch den Beitritt zum Taubenzuchtverein. Alles ist mir als Mutter lieber als Etwas, was sich nicht mitverändern wird, wenn sich das ICH aufgrund von Geschmack, Erlebnissen, Wahrnehmungen und Lebensphilosophien verändern wird.

Und es wird sich verändern! Wenn es das nicht täte, dann würde meine Tochter auch heute noch alles in Pink oder Rosa haben wollen und immer noch Rolf Zuckowski rauf und runter hören. Tut sie aber nicht!

Ich bin mir nicht sicher, wer mehr Hilfe benötigt: Ich, um meine Tochter vor einer ziemlich unumkehrbaren Entscheidung, die sie eventuell einmal bereuen wird, zu bewahren oder meine Tochter, um sie vor ihrer zweifelnden und spießigen Mutter zu schützen?

Vielleicht muss es auch gar nicht, wie eingangs erwähnt, heißen: „Es wird ernst: Meine Tochter will ein Tattoo“,  sondern in Anbetracht vieler wirklicher Katastrophen: „Alles ist gut: Meine Tochter hat ein Recht auf eigene Entfaltung und will ein Tattoo – na und?“

Kleingedrucktes

Kleingedrucktes

Nur wenige hundert Euro trennen mich von der atemberaubenden Schiffsreise auf den großen Meeren dieser Welt. Das verspricht zumindest der Werbespot, der sich mir in einer meiner kurzen Wachphasen während des abendlichen Fernsehprogramms zeigt. Natürlich mit musikalisch untermalten Bildern von fernen Ländern, braungebrannten Menschen und gutgelauntem Schiffspersonal. Es scheinen Werbeprofis am Werk gewesen zu sein. Fast haben sie mich – obwohl ich überhaupt kein maritimer Typ bin. Mir wird versichert, dass es sich nicht um „irgendeine“ Kreuzfahrt handelt – die Vorstellung alleine lässt mich vor Freude fast seekrank werden.

Aber weil ich eben nicht gänzlich „sehkrank“ bin, entdecken meine müden Augen das kleine Sternchen, welches sich heimlich hinter das Eurozeichen gesetzt hat. Es weist auf das Kleingedruckte hin, das aufgrund des minimalen Schriftgrades und der Kürze des Werbespots unlesbar bleibt.

Ich ahne – bin ja nicht doof: Kajüte ohne Tageslicht direkt neben dem Motorraum, Frühstück ohne Nutella, Durchsagen wahlweise auf Suaheli oder Hindi und alles ohne Stewards, die so aussehen wie Sascha Hehn!

Ich muss daran denken, dass es Kinder und Partner auch nicht ohne Kleingedrucktes gibt. Bei dem einen weist es verstohlen auf die Unlust zum Aufräumen hin, anderes steht für das Unvermögen, nur das einzukaufen, was auf dem Einkaufszettel steht. Es gibt Kleingedrucktes fürs Schnarchen, für permanentes Zuspätkommen, fürs zu lange Telefonieren und sogar fürs Zahnpastatube offen liegenlassen. Es scheint eine Vielfalt an menschlichen, kleingedruckten Unzulänglichkeiten zu geben. Auch ich verfüge über einige und freue mich klammheimlich, dass ich rechtlich nicht verpflichtet bin, diese offenkundig mitzuteilen.

Das ist auch nicht nötig, denn wie meine jüngste Erfahrung zeigt, sind kleingedruckte Mangelhaftigkeiten in der Lage, bei Abwesenheit – wohlgemerkt nur bei Abwesenheit! – mittelschwere Sehnsuchtsschübe auszulösen: Herumliegende Turnschuhe im Flur – inzwischen zu Herzen gehendes Erkennungsmerkmal der einen Tochter; lange, dunkle Haare auf hellen Badezimmerfliesen – mittlerweile lieb gewonnene Eigenheit der anderen Tochter.

Auch wenn ich manchmal mit wehmütigen Gedanken der Vergangenheit nachhänge: Der Kreuzfahrt zeige ich entschlossen und unbeirrt den Vogel. Wenig später endet auch schon wieder diese kurze Wachphase vor dem Fernseher – ein kleingedrucktes Unvermögen meinerseits!

Das hätte was!

Das hätte was!

Vielleicht ist es eine Unterstellung, aber ich behaupte einfach mal, dass jedem Menschen der Gedanke: „Das hätte was!“ bekannt ist. Manch einem kommt diese Auffassung bereits beim Anblick eines Schuhpaares im Schaufenster; hin und wieder geht er mit dem Motorengeräusch eines leistungsstarken Autos einher. Oder eine Weltreise, eine neue Frisur, eine Safari, ein anderer Beruf, ein neuer Partner, Häkeln lernen, einen Laden eröffnen oder eine Katze aufnehmen: „Das hätte was!“.

Es gibt vielfältige Vorhaben, Träume, Pläne, Ziele, von denen man sicher ist, dass sie nur darauf warten von einem selbst erlebt oder erreicht zu werden. Gleichzeitig aber stellen sich nicht selten Gedanken in den Weg, die in der Lage sind, unliebsame Bremsspuren zu verursachen: „Nicht jetzt, später…“, „Denk an das Geld…“, „Wenn aber…“ oder „Was werden die anderen denken?“. All diese fiesen Sätze, die auch ich gut kenne und die sich gut kaschiert zwischen mich und meine Träume zu schieben versuchen. Mal im Tarnkleid des lobenswerten Verantwortungsgefühls, mal bemäntelt als rettender Sicherheits-Check, aber immer zuverlässig als Moralapostel mit der Frage: Wie viel Egoismus darf sein? Egoismus scheint ähnlich verrufen wie Atomenergie, Asbest oder Massentierhaltung, weswegen mein Grübelometer heftig ausschlägt. Denn richtig heikel scheint es bei all den Träumen und Vorhaben zu werden, wenn kein karitativer Nutzen erkennbar ist und wenn es nicht die Bedürfnislage Anderer mit einbezieht – und da fallen mir viele ein: Freunde, Nachbarn, Freiwillige Feuerwehr, Arbeitskollegen, Rotes Kreuz, Haustiere, Partner, Chef, Eltern, Sportverein und – last but not least – die geliebten Kinder.

Ein Vorhaben ins Auge zu fassen, welches ausschließlich die eigenen Bedürfnisse befriedigt, ist in etwa so gewagt, wie die Rezeptur von Nutella zu verändern.

Aber – verdammt nochmal – das hätte was!

Birgt es nicht ein viel größeres Risiko, seine Träume und Ziele nicht in Realität umzuwandeln? Ist vielleicht die Erkenntnis „Ich bin nicht der Nabel der Welt und diese dreht sich auch ohne mich weiter“ nicht frustrierend sondern befreiend?

Ich bin mir noch nicht gänzlich sicher, aber das herauszufinden, das hätte was!

Vielseitiger Herbst

Vielseitiger Herbst

Ich bin drin! In der schönen Jahreszeit Herbst, die mich mit farbgewaltigen Sonnenauf- und untergängen beschenkt, wie es keine andere Jahreszeit vermag. Das Klima sorgt für eine Tatkraft unterstützende „Betriebstemperatur“ und ein angenehmes Körpergefühl – weder Frostbeulen noch Hitzepickel!

Es gibt somit viele Gründe, diese Phase im Jahr mit allen Sinnen zu genießen. Aber es gibt auch Gründe, die eben erwähnten Genuss einschränken können. Um es auf den Punkt zu bringen: acht Gründe! Acht eher dünne, unterschiedlich lange und verschiedenfarbige Gründe, die in der Lage sind, dem Herbst eine unangenehme Seite anzudichten.

Jedes Jahr aufs Neue bin ich hin und hergerissen zwischen Faszination und Ekel vor Spinnen. Da hilft es leider auch nichts, dass die stets bemühten Naturschutzverbände alljährlich mit Engelszungen über die Nützlichkeit und Gefahrlosigkeit der hier lebenden Spinnentiere referiert. Mir kommt es so vor, als sei der Ekel vor gewissen Spinnen ein Bestandteil meiner DNS. Es ist mir ein Rätsel, wie Vogelspinnen, zum Beispiel in Kambodscha, ein frittierter Gaumenschmaus sein können oder warum sie in Teilen Westafrikas als Gottheit verehrt werden.

Aber immer morgens, wenn die Sonne aufgeht und der Tau sich an den Spinnennetzen festhält, dann überwiegt die Faszination. Es grenzt an ein Schauspiel, wenn eine Kreuzspinne ihr Netz baut, und ich schaue gern dabei zu – pure Begeisterung über das Bild, das mir die Natur bietet, Staunen über das Können der kleinen Krabbeltiere und stete Dankbarkeit, dass sie ihr Zuhause außerhalb meiner „vier Wände“ errichten.

Wenn sie letzteres nicht täten, wären sie einer akuten Lebensgefahr ausgesetzt. Leider – und ich bedaure das wirklich – ist es mir bisher nicht möglich, Spinnentiere, die größer als 1-Euro-Stück sind, im lebendigen Zustand aus meinem Haus zu tragen. Dort verteidige ich mit spürbaren Selbsterhaltungstrieb und mit Staubsauger bewaffnet mein Areal. Und genau das sorgt in dieser schönen Jahreszeit bei dem einen oder anderen Spinnentier für ein jähes Ende. Bei mir sorgt es für Gewissensbisse, Schuldgefühle und meiner alljährlichen Frage, ob ich diesem Ekel nicht anders beikommen könnte. Denn wie schön wäre der Herbst, wenn auch meine acht Genuss einschränkenden Gründe an Bedeutung verlören?

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Wir haben Sommer. Hochsommer! Die Jahreszeit, die müde Lebensgeister munter macht und die mit ihren vielen Sonnenstunden mancher Seele lichtdurchflutend neue Energie schenkt. Herrlich!

Sommer assoziieren wir fast immer mit Sonne und Strand, auch wenn tageweise eher Matsch und Mückenstiche realistisch erscheinen.

Aber aus Matsch und Mückenstichen kann das derzeitige Schönheitsideal keinen Profit schlagen. Dieses lässt Sommer nicht nur „eitel Sonnenschein“ sein, sondern kann zugleich für den Beginn einer alljährlichen Odyssee der Frau sorgen.

Frau braucht für den Strand einen passenden Bikini und sie benötigt erst recht die dazugehörige Figur!

Sie braucht sie nicht immer, aber im Sommer ganz bestimmt. Zumindest wenn man, also Frau, der Werbung Glauben schenkt: Überschüssige Hautlappen und Cellulite gehen gar nicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Frau bereits Ü 40 ist oder zwei Kindern auf natürliche Weise das Leben geschenkt hat. Laut Sommer-Werbung ist in Kombination mit einem Bikini auch die Bikinifigur ein „Must-have“ und für jederfrau erreichbar. Sie muss es nur wollen und – zugegeben – ein wenig in ihr fett- und faltenfreies Leben investieren: Zum Beispiel in ein gutes Bildbearbeitungsprogramm, mit welchem die Urlaubsfotos faltenfrei werden. Oder in Cremes mit sogenanntem Aufpolsterungseffekt. Bin ich denn ein Sofa, oder was?

Ich weigere mich, so zu tun, als wären eben erwähnte Körperveränderungen Fehler der Natur. Auch braucht die Werbung nicht den Eindruck erwecken, als handele es sich um Gendefekte, welche frau einfach wegzucremen hat.

Lasst mich in Frieden mit all dem Gedöns. „Schwabbelbauch“ und Cellulite sind keine Makel, sondern biologisch erklärbare, natürliche Veränderungen, die Frau ab einem gewissen Alter ausmachen.

Ich plädiere für folgende Philosophie: Der Sommer benötigt nicht Bauch-Beine-Po, sondern Friede-Freude-Lebenslust und dann wird frau diese Jahreszeit mit Freunden und Familie genießen – mit allen Sinnen, allen Fettpölsterchen und allen Falten!

Die Qual der Wahl

Die Qual der Wahl

Seit Wochen schon begegnen mir in den Medien Werbespots, die die Sozialwahl 2017 ankündigen und mich zu ermuntern versuchen, mein Wahlrecht wahrzunehmen und mit abzustimmen.

Und nun ist es soweit: Mit der Post erreichen mich zwei Umschläge mit der in den Werbespots angekündigten Zettelwirtschaft. Wieso zwei? Davon war im Werbespot nicht die Rede. Oder habe ich ihn in Ermangelung echten Interesses nicht aufmerksam genug verfolgt? Wie auch immer – die Inhalte der Umschläge strengen mich an. Es überlastet, überfordert und nervt mich, dass ich neben meinen kleinen und größeren privaten Baustellen nun auch noch den Verwaltungsrat meiner Krankenkasse und die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung wichtig finden soll. Was verbirgt sich überhaupt dahinter? Können die das nicht alleine? Muss das eine alleinerziehende Mutti vom Dorf regeln? Wenn einer vom Verwaltungsrat in der Zeit meinen Rasen mähen würde, kümmerte ich mich gern um das Ankreuzen und Zurückschicken der Umschläge!

Ich ahne, dass mir mindestens drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen, mich dieser Herausforderung zu stellen.

Erstens: Ich reiche für morgen einen Tag Urlaub ein, damit ich mich in die Materie einlesen kann. Nur so könnte ich verantwortungsbewusst, mit bestem Wissen und Gewissen und mit vollem gesellschaftlichem Engagement meine Stimme abgeben!

Zweitens: Ich nehme mir eine halbe Stunde Zeit, klicke im Internet die sogenannten Listen durch, akzeptiere mein Nicht-Wissen, entscheide mich schnurstracks für die oder den Kandidaten mit dem nettesten Lächeln, der besten Aussprache oder der flottesten Frisur. Das haben sie davon, wenn sie mich in meinem ausgefüllten Alltag stören. Gleichzeitig aber hätte ich mich diesem demokratischen Instrument nicht entzogen und gäbe mich dem wunderbaren Gefühl der Mitbestimmung hin.

Oder Drittens: Alles in den Papierkorb werfen und abwarten, was passiert – in der Vermutung, dass nichts Weltbewegendes passieren würde! Letzteres scheint mir gut gegen Überanstrengung und ich bekäme sogar noch meinen Rasen gemäht!