Der überhebliche Mensch

Der überhebliche Mensch

Nicht unüblich ist es, dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Philosophie- oder Religionsunterrichtes sich mit der Frage beschäftigen, wie Gott zulassen kann, dass Menschen durch zum Beispiel Naturkatastrophen zu Tode kommen. Genau der Gott, von dem doch eigentlich nur Gutes ausgehen soll. Der Gott, der sich mühevoll sechs Tage abgeplagt haben soll, um die Welt, also auch uns Menschen, zu erschaffen bevor er dann am siebten Tag nach getaner Arbeit zufrieden die Beine hoch legte. Wie kann er so ein Unglück zulassen?

Für mich wird in dieser Frage eine kaum zu überbietende Überheblichkeit des Menschen deutlich. Bilden wir uns tatsächlich ein, dass wir über allem stehen? Dass Menschen es am meisten wert sind, geschützt und behütet zu werden?

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass – wer oder was auch immer – der Natur in gewissen Abständen erlaubt, mal so richtig „Halligalli“ zu machen; Ihr zugesteht, sich einen feuchten Kehricht um das zu kümmern, was die Menschen von ihr erwarten; Sie ermutigt, sich in vollem Umfang auszutoben! Ohne Rücksicht, dafür mit ausgeprägtem Blick auf die eigenen Interessen – genauso, wie es der Mensch zu handhaben pflegt. Denn das – laut Duden – „höchstentwickelte Lebewesen mit der Fähigkeit ausgestattet zu logischem Denken, zur Sprache, zur sittlichen Entscheidung und Erkenntnis von Gut und Böse“ zieht aus der Natur hochmütig Nutzen, aus dem stellenweise schon längst ein Ausnutzen geworden ist.

Zurück zum Schulunterricht: Vielleicht sind die besagten Katastrophen keine Strafen für Menschen, sondern vielmehr großzügige Geschenke an die Natur? Der Wind, der sich mal so richtig aufblasen darf, verabredet sich mit dem Regen, der pausenlos prasselt, zum Spielen und sie toben sich hemmungslos aus und rollen dabei mit kindlicher Naivität über bewohnte und unbewohnte Gebiete.

Die korrekte Frage scheint mir nicht: Wie kann Gott das zulassen? Sondern sie könnte lauten: Wieso sollte – wer oder was auch immer – das nicht zulassen, nachdem wir bereits mit der sogenannten Intelligenz nobel beschenkt worden sind, und unsere Bedürfnisse teilweise auf Kosten der Natur befriedigen?

 

Ein Kommentar

  1. Inge Schlüter sagt:

    Zu dieser Kolumne erreichte mich ein Feedback von Angelika Trümper. Mit ihrem Einverständnis darf ich es veröffentlichen:

    Liebe Frau Schlüter,

    ich habe mich sehr gefreut (tatsächlich; keine Floskel), Sie am Sonntag persönlich kennengelernt zu haben! Ihre Kolumnen in Basses Blatt lese ich immer gern, da sie zum Mitdenken anregen, was ja bekanntlich nicht schaden soll… Manches trifft meine Meinung und ich denke, toll, dass dies mal gesagt wurde, anderes reizt mich zum (gedanklichen) Widerspruch oder dem Wunsch, mit Ihnen darüber weiter zu diskutieren. Würde mich freuen, wenn wir im Gespräch bleiben könnten!

    Ihnen zu liebe breche ich jetzt sogar meine Prinzipien und sende Ihnen per E-Mail meinen Beitrag für unseren Gemeindebrief, der ein bisschen zu dem Thema passt, das Sie in der letzten Woche angepackt hatten.

    Herzlich Grüße

    Angelika Trümper

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