Von Feuer und Knöpfen

Von Feuer und Knöpfen

Kürzlich löste ich in einem Kindergarten Feueralarm aus. Im Falle eines ausgebrochenen Feuers wäre das klug und geistesgegenwärtiges gewesen. Und die Wahrscheinlichkeit eines Brandes war tatsächlich gegeben, denn die wochenlange Dürre sorgte dafür, dass bereits der bloße Gedanke an einen romantischen Feuerkorb imstande war, ein Flammenmeer zu entfachen. In meinem Fall allerdings brannte nicht einmal ein harmloses Räucherstäbchen. Ich hatte schlichtweg beim Versuch, den Hochsicherheitstrakt „Kindergarten“ zu verlassen, gedankenverloren einen Knopf an der Tür gedrückt. So wie ich fast immer Knöpfe drücke, wenn ich einen Kindergarten oder eine vergleichbare Einrichtung betrete oder verlasse. Nur war besagter Knopf eben nicht der Schalter, mit dem ich die Tür entsperre. Für meinen Irrtum gibt es eine Erklärung, denn immerhin sind die Arten und Weisen der Türsicherungen inzwischen so vielfältig, dass die Erkennung und korrekte Anwendung einen Studiengang erfordert. In einer Kita muss ich in 1,80 Meter Höhe einen Knopf drücken und dann relativ zeitnah die Tür durch Gegendrücken öffnen; dann gibt es Einrichtungen, bei denen ist der Knopf eine Klingel und eine Erzieherin macht mir den Hort zugänglich; dann gibt es noch die, bei denen alle Zugangsbefugten einen Code erhalten haben; in einer anderen werde ich aufgefordert, gleichzeitig Knopf und Tür zu drücken; und bei noch einer weiteren muss ich einen doppelten Flickflack machen, damit sich die Tür öffnet. Naja … Letzteres ist natürlich übertrieben, aber: Übertreibungen verdeutlichen!

Nach meinem kleinen Ungeschick im Kindergarten habe ich mir über den – ich nenne ihn provokant – deutschen Sicherheitswahn Gedanken gemacht und ihn mit Standards aus der Zeit, als ich Kind war, verglichen. Nun ja, auch damals war Kopfsteinpflaster nicht kuschelig, aber irritiert und nachdenklich nehme ich zur Kenntnis, wie die Umgebung von Kindern heutzutage abgerundet, gepolstert, gefedert, begradigt, enthärtet und verriegelt wird – alles zu deren sogenannter Sicherheit! Das geht weit über die Eingangstüren von Kindergärten hinaus. Jeder Eventualität scheinen wir übertrieben sicherheitsorientiert mit einer Erfindung oder einer Sicherheitsbestimmung zu begegnen. Und doch werden wir immer wieder feststellen, dass wir keinen Schalter oder Knopf entwickeln können, der Unglück generell verhindert. Bevor ich beim nächsten Kitabesuch erneut die Nerven der Anwesenden strapaziere, verweise ich schon mal zu meiner eigenen Sicherheit auf den Knopf, über dem Joachim Ringelnatz, Verfasser humoristischer Gedichte, schrieb: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“