Bunter, blinkender Wildwechsel

Bunter, blinkender Wildwechsel

Wenn ich derzeit mit dem Auto durch die Lande fahre, dann erscheint mir die Vorsicht, die aufgrund Nahrung suchender Wildtiere geboten ist, flächendeckender denn je. Ich erspähe nicht nur einen beeindruckenden Hirsch oder ein scheues Reh hinter dem Knick, nein, sogar Rentiere und Eisbären begegnen mir hier und dort. Das liegt natürlich nicht an der Mannigfaltigkeit unserer heimischen Wildtiere, sondern an der Begeisterung mancher Menschen für alles, was blinkt und leuchtet – besonders in der Vorweihnachtszeit. Egal sind Farben und Leuchtintervalle, hektisch blinkend oder konstantes, warmes Licht – alles kommt in den Vorgarten. Bei manchen Grundstücken ertönt mein Ruf nach dem Wildwechsel-Schild. Um einen kleinen Bildungsauftrag nebenbei zu erfüllen: Besagtes Verkehrszeichen der StVO hat die Nummer 142. Trotz dieses Warnhinweises verlieren mehrere Hunderttausend Tiere pro Jahr – allein auf deutschen Straßen – bei sogenannten Wildunfällen ihr Leben. Das ist bedauerlich.

In Anbetracht der Tatsache, dass manche Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn auch nur zwei Rotmilane an einer Windkraftanlage verenden könnten, wäre doch – hinsichtlich der erschreckenden Zahlen zu den Wildunfällen – ein regionales zeitlich begrenztes Fahrverbot völlig angemessen. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Weihnachtsbeleuchtung.

Weil blinkende Rentiere, leuchtende Eisbären und grell winkende Schneemänner manch einem nicht genug sind, werden auch noch die Sträucher, Bäume und Tannen, die das Grundstück zieren, mit Lichterketten versehen. Nicht immer so, dass man von einer gelungenen, harmonischen Formgebung sprechen kann. Leider. Manche Lichterketten wirken wie hingeniest! Oder so, als wenn die Ästhetik, die Fähigkeit der sinnlichen Wahrnehmung dem hochprozentigen Glühwein weichen musste.

Ob nun ein dezenter Stern am Carport oder ein Sammelsurium, dessen Leuchtkraft vom Mond aus zu sehen sein müsste, das Schöne ist doch, dass wir hierzulande fast immer die Freiheit besitzen, die Gärten und Häuser nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Dennoch ein kleiner Hinweis von mir an dieser Stelle: Ungenutzte Steckdosen in der Weihnachtszeit sind keine Beleidigung für den Weihnachtsmann und sie übertragen auch KEINE Krankheiten!