Meine aktuelle Kolumne

Wieviel Witz ist witzig?

Warum leben Frauen länger als Männer? Antwort: Die Einparkzeit wird ihnen gutgeschrieben!

Zu meinem heutigen Experiment gehört, dass ich eben formulierten Witz provokant von mir gebe, dann für einige Augenblicke innehalte, daraufhin die Reaktionen einfange, um schlussendlich zu ermitteln, welche Menschengruppe sich nun am schnellsten persönlich beleidigt gefühlt hat.

Werden es die Frauen sein? Immerhin könnte der Witz bedeuten, sie seien notorische Schlecht-Einparker. Oder werden es die Männer sein, die sich nun durch ihre vermeintlich kürzere Lebenszeit diskriminiert fühlen? Oder werden sich sogar die Fahrradfahrer beleidigt fühlen, weil sie nicht Bestandteil dieses Witzes sind? Auch kann ich nicht ausschließen, dass sich die Parkhausbetreiber verärgert mobilisieren, weil sie sich diesem Witz so einflusslos ausgeliefert fühlen.

Glauben Sie mir, ich selbst bin auf das Ergebnis meines Experimentes am meisten gespannt. Habe ich mir doch die letzten Wochen unter anderem darüber meinen Kopf zerbrochen, was am besagten Karnevals-Gag von unserer CDU Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer so respektlos gewesen sein soll. Sinngemäß äußerte sie, dass die Toilette für das dritte Geschlecht für die Männer sei, die noch nicht wissen, ob sie beim Pinkeln noch stehen dürfen oder schon sitzen müssen. Und mit diesem Amüsement soll sie nun insbesondere den intersexuellen Menschen auf die Füße getreten sein? Ich hätte gedacht, wenn überhaupt, dann fühlen sich Männer angesprochen, die im Stehen pinkeln. Aber gut – Interpretationen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Meine Überzeugung ist: Wenn Menschen beleidigt, angegriffen oder verletzt auf etwas reagieren, ist die Ursache ihrer Reaktion selten im Gegenüber zu finden, sondern viel mehr bei ihnen selbst. Eine Äußerung, ein Verhalten oder auch ein Witz kann zwar ein Auslöser für mein verletztes Gefühl sein, aber nicht die Ursache. Menschen, die über ein schlechtes Selbstbild verfügen, fassen vieles viel schneller als Kränkung, Angriff, Bedrohung, Diskriminierung oder Verletzung auf.

Bevor ich aber zu tief in die menschliche Psyche einsteige, wende ich mich wieder meinem Experiment zu. Die ersten aufgebrachten Reaktionen gehen bereits ein – auf uns Menschen ist eben Verlass!

Und während ich mich an die Auswertung mache, können Sie über folgenden klugen Satz nachdenken: Wer noch niemals anderen Leuten auf die Füße getreten ist, hat sich vermutlich noch niemals von der Stelle bewegt!

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