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Ich will nicht jammern

Wenn mir der frisch aufgebrühte Kaffee, wozu ich den alten weißen Keramikfilter meiner längst verstorbenen Oma nutze, nicht schmeckt, dann weiß ich: Ich bin krank!

Ich will nicht jammern, aber

… meine satte Frühjahrs-Erkältung war bereits völlig abgeklungen und am Alltag nahm ich längst wieder rege teil. Aber schon nach wenigen Wochen kam alles wieder – als hätte ich ein Abo abgeschlossen: Halskratzen, Kopfschmerzen, Nase dicht und Hustenanfälle bis zum Würgereiz.

Also richte ich erneut mein Krankenlager am Sofa ein. Alle für mich wichtigen Dinge gut erreichbar um mich herum drapiert und trotzdem den freien Blick zum Fernseher erhalten. Das gleicht je nach Tischgröße, die einem am Sofa zur Verfügung steht, einer logistischen Herausforderung. Aber: Ich bin inzwischen in Übung und habe auch diesmal alles auf ein praktisches Handling hin sinnvoll ausklamüstert:

Die Fernbedienungen und die DVD-Staffeln von „Unsere kleine Farm“ liegen links auf dem Tisch. Ein Buch, das würde für mich sprechen und sich auch in gewisser Weise gebildet anhören, aber in Wahrheit ist mir das Lesen mit Erkältungssymptomen viel zu anstrengend. Die Wasserflasche, ein Glas und meinen Tee ganz rechts. Vielleicht sollte ich meinen Tee anstatt mit Honig mit Rum trinken? Nicht, dass mich das gesünder machen würde. Aber die Erkältung würde mir vielleicht mehr Spaß machen? Zumindest nach dem vierten Tee.

Ich will nicht jammern.

Die Nasentropfen, die Halsschmerztabletten, die Taschentücher, die Nüsse für den kleinen Hunger und das Telefon verteilen sich zwischen DVDs und Getränke. Ebenso wie die Schüssel mit dem Wasser mit Zwecktemperatur: heißes Wasser mit einem Tropfen Eukalyptusöl fürs Inhalieren – kaltes Wasser bei Fieber. Fehlen darf auch die Heilcreme nicht, die die vom ständigen Naseausschnauben geschundene Haut wieder regenerieren soll. Zudem muss eine kleine Fläche auf dem Tisch frei bleiben. Diese füllt sich mit der Zeit ganz von allein durch benutzte Taschentücher. Aber wie gesagt: Ich will nicht jammern.

So erreiche ich, dass ich kaum mehr für irgendetwas aufstehen muss. Das ist gut so, denn liegend genese ich am besten. Das weiß ich noch vom letzten Mal. Noch schlimmer als aufstehen zu müssen während der Erkältung ist es, sich bücken zu müssen. Dann schießt ein pulsierender Schmerz in die Stirn, der sich gewaschen hat. Jeder sollte sich vor dem nächsten Bücken eine Liste machen, auf der alles steht, was man in dieser Haltung erledigen kann, nur damit man sich kein zweites Mal bücken muss. Ich weiß inzwischen, wovon ich rede.

Aber ich will ja nicht jammern.

Das Großhirn allerdings will von meinem Ruhelager nichts wissen: „Der Kopf ist doch auf dem Hals, also kannst du auch zur Arbeit und musst nicht mit „Unsere kleine Farm“ deine Seele streicheln!“

Großhirn, du kannst mich mal kreuzweise. Ich will weder im Himmel einen Platz neben meinem Chef, noch einen Orden oder ein Pokal verliehen bekommen für ein tapferes „Krank-zur-Arbeit-schleppen“. Auch möchte ich meine Kollegen ungern anstecken und schon gar nicht muss ich einem geschätzten Menschen, mit dem ich noch mein ganzes Leben lang vereint sein werde, etwas beweisen: nämlich mir selbst!

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