Ein hohes C auf die Blockflöte

Ein hohes C auf die Blockflöte

Der 10. Januar ist seit neun Jahren der „Internationale Tag der Blockflöte“. Das entzückt mich in diesem Jahr besonders, weil ich mir zu Weihnachten nach jahrzehntelanger Spielpause eine Altflöte geschenkt habe. Dank des guten Blockflötenunterrichtes von damals, steht meinem persönlichen „Schnabelflöten-Revival“ nichts im Wege.

Der „Internationale Tag der Blockflöte“ kann aber auch nachdenklich stimmen, denn in den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Blockflötenspieler hierzulande auf rund 50.000 halbiert. Wieso? Zum einen wahrscheinlich deswegen, weil es derzeit kein sogenanntes Zugpferd für dieses Instrument gibt. Die Geige hat David Garrett, das Klavier hat Lang Lang und die Mundharmonika hat Michael Hirte – aber wen hat die Blockflöte? Solange mich beim Spielen noch eine akute Luftnot an eine falsche oder gar ausgesetzte Atmung erinnert, bin ich als Zugpferd nicht geeignet. Auch zeugen immer noch Tropfspuren auf den Jeans von wenig Spielroutine und bei meiner Anzahl der Flötentöne pro Sekunde kann man noch problemlos mitzählen!

Zum anderen, vermute ich, ist der Rückgang der Blockflötenspieler mit großer Wahrscheinlichkeit den vielen Blockflötenopfern geschuldet. Diese Blockflötenopfer sind Personen, die den Übenden und Spielenden wieder und wieder ungewollt zuhören müssen, weil sie im gleichen Haus leben. Diese Qual führt natürlich seitens der Betroffenen bewusst oder unbewusst zu Negativpropaganda. Schlagzeugopfer kann man schon werden, wenn der Übende nur in der gleichen Straße wohnt. Aber das nur am Rande!

Deshalb richtet sich der „Internationale Tag der Blockflöte“ für mich nicht nur an das Instrument selbst, sondern auch an die vielen traumatisierten Passivspieler, für die sich die Töne einer Blockflöte anhören wie ein mittelschwerer Tinnitus.

Ein Kommentar

  1. Inge Schlüter sagt:

    Frau Veigel schrieb mir auf diese Kolumne hin eine nette und interessante E-Mail, die ich hier mit Ihrer Erlaubnis veröffentlichen darf. Ich kann sehr empfehlen, die beiden Links, auf die sie aufmerksam macht, einmal anzusehen!

    Liebe Frau Schlüter,
    Ihre Glossen in Basses Blatt lese ich immer und gerne – Sie treffen so oft den Nagel auf den Kopf.
    Auch Ihre Blockflötenglosse beschreibt die Misere des Themas ganz schön, nur ist da ein Fehler drin. Und es macht mir großen Spaß, Sie darauf hinzuweisen, weil ich sicher bin, dass auch Sie Ihre Freude daran haben werden, nämlich:
    Doch, es gibt sie, die Blockflöten-Zugpferde! Dass sie nur von einer kleinen Schaar von Kultur-Interessierten wahrgenommen werden – tja, das liegt eben genau an dem Blockflöten-Image, wie Sie es kennen.

    Eines der Pferde ist Dorothee Oberlinger, haben Sie 5 Minuten Zeit?
    https://www.youtube.com/watch?v=Fvz1_zOrQQs

    Und hier ist sie noch einmal, in einem überraschende Zusammenhang…
    http://tvtotal.prosieben.de/videos/Dorothe-Oberlinger–Blockfloeten-Virtuosin–/15841/

    Ein anderes Pferd ist Maurice Steger. Die Laiszhalle war voll besetzt, als ich ihn im vergangenen Jahr hörte.
    Aber ich will Sie nicht weiter mit Links bombardieren, im Googeln sind Sie bestimmt mindestens so fit wie ich.
    Falls Sie Lust haben.
    Herzlichen Glückwunsch zur Altblockflöte! Vielleicht landen Sie in einem Blockflötenensemble. Klingt besser als Blockflötenkreis, der Kreis/das Ensemble, in dem ich bin, nennt sich Blockflötenconsort, Sie sehen, wir geben uns in unserem Rahmen Mühe, wenigstens ein wenig am Image zu polieren. Natürlich nicht nur mit dem Namen.
    Und es macht solchen Spaß!

    Viele Grüße von
    Almut Veigel aus Tensfeld

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