25 Grad aufwärts

25 Grad aufwärts

Obwohl wir aufgrund technischer Erfindungen und Weiterentwicklungen in der Lage sind, uns rasend schnell fortzubewegen, sehr tief zu tauchen, enorm hoch zu fliegen und extrem viel mitzuteilen, gibt es nach wie vor einen Bereich, auf den wir keinen Einfluss nehmen können: das Wetter! Die zurückliegenden Wochen, ja, Monate haben uns das gezeigt.

Es fühlte sich fast so an, als zeige uns das Klima ein wenig den sogenannten Stinkefinger. Und das konnte es mir gegenüber auch ungeniert tun, denn bei Temperaturen von 25 Grad aufwärts ist meine rebellische Widerstandskraft auf dem Nullpunkt.

Die morgendlichen Stunden zwischen 4.30 und 8.00 Uhr sind die, die sich beinahe kühl anfühlen und deswegen von mir produktiv genutzt werden. Danach geht die Leistungskurve langsam, aber kontinuierlich in den Keller. Das bringt natürlich einen inneren Konflikt mit sich, denn nun folgen in der Regel die Stunden, in denen meine Tatkraft einem Arbeitgeber zur Verfügung stehen sollte. Das geht nur bei laufendem Ventilator. Der wiederum bringt zuverlässig meine Zettelwirtschaft auf dem Schreibtisch durcheinander und sorgt dafür, dass ich mich wie ein Huhn im Umluftofen fühle, aber er sichert auch mein Überleben. Irgendwas ist ja immer!

Am Nachmittag sieht es nicht viel besser aus. Ich gehe der Sonne und den heißen Temperaturen aus dem Weg wie manchmal unliebsamen Begegnungen beim Einkaufen. Während meines heliophoben Rückzugs ins kühle alte Bauernhaus frage ich mich: „Wie machen die das in Afrika?“ Meine Gedanken sind anteilnehmend bei denen, für die derartige Wettereskapaden Standard sind, und bei den Landwirten hierzulande, deren Existenz dadurch unsicherer oder gar bedroht ist.

Doch da – was ist das? Stunden später! Endlich: ein Lebensgeist! Und noch einer! Und noch einer!

Die Temperaturen fallen wieder auf ein für mich brauchbares Maß, um irgendetwas fertigzukriegen. Irgendetwas von dem, was in all den unproduktiven Stunden des Tages liegen geblieben ist. Aber auch Liegenlassen ermattet mich während klimatischer Extreme, und so falle ich bald Ruhe suchend ins Bett, um dort meiner Unsicherheit bezüglich aufkommenden Schweißes zu begegnen: Wetter oder Wechseljahre? Aber das wird eine eigene Kolumne. Um die nun auch noch zu Papier zu bringen, ist es mir viel zu heiß!

Berechtigte Zweifel oder Spießertum?

Berechtigte Zweifel oder Spießertum?

Es wird ernst: Meine Tochter will ein Tattoo! Eigentlich will sie es schon vier Jahre lang, aber was die Angelegenheit jetzt bedrohlicher denn je macht, ist die Tatsache, dass meine Tochter das 18. Lebensjahr vollendet hat. Somit ist sie volljährig – mündig – großjährig – von Rechts wegen erwachsen – voll geschäftsfähig und ich, die Mutter, bin raus!

Damals, als sie den Wunsch das erste Mal äußerte, dachte ich siegessicher: Ruhe bewahren, ein paar gut formulierte Argumente dagegen, die eine oder andere Horrormeldung von misslungenen Tätowierungen verlauten lassen und der Drops ist gelutscht! Inzwischen scheint mir meine Kapitulation unausweichlich. Ich brauche ein Gesetz – aber zackig –, welches mich auf Lebzeiten dazu berechtigt, Tattoos zu verbieten. Einfach so! Ohne Argumente und nicht nur am Muttertag!

Meine letzten Bemühungen, meine Tochter von den allzeitlichen Hautbemalungen abzubringen, gleichen einer Verzweiflungstat. Ich rede alles schön: eine Tarantel als Haustier, grün-lila gefärbte Haare oder meinetwegen auch eine Glatze, Lyrik und Prosa, das Trampen – auch nachts, Sandalen mit Socken und von mir aus auch den Beitritt zum Taubenzuchtverein. Alles ist mir als Mutter lieber als Etwas, was sich nicht mitverändern wird, wenn sich das ICH aufgrund von Geschmack, Erlebnissen, Wahrnehmungen und Lebensphilosophien verändern wird.

Und es wird sich verändern! Wenn es das nicht täte, dann würde meine Tochter auch heute noch alles in Pink oder Rosa haben wollen und immer noch Rolf Zuckowski rauf und runter hören. Tut sie aber nicht!

Ich bin mir nicht sicher, wer mehr Hilfe benötigt: Ich, um meine Tochter vor einer ziemlich unumkehrbaren Entscheidung, die sie eventuell einmal bereuen wird, zu bewahren oder meine Tochter, um sie vor ihrer zweifelnden und spießigen Mutter zu schützen?

Vielleicht muss es auch gar nicht, wie eingangs erwähnt, heißen: „Es wird ernst: Meine Tochter will ein Tattoo“,  sondern in Anbetracht vieler wirklicher Katastrophen: „Alles ist gut: Meine Tochter hat ein Recht auf eigene Entfaltung und will ein Tattoo – na und?“

Berechtigte Zweifel oder Spießertum?

Ein Tattoo? AAAHHHHHH! Bitte nicht! Wer benötigt Hilfe? Ich, um meine Tochter vor einer Fehlentscheidung zu bewahren oder meine Tochter, um sie vor ihrer spießigen Mutter zu schützen?

Kraftquelle – Zeit zum Auftanken bei Anja Grell

 

Für den Beitrag in unserer März-Sendung von XXradio besuchte ich Anja Grell in Reinsbek. Sie gründete das Unternehmen KRAFTQUELLE, mit dem sie Menschen genau eine solche – eine Kraftquelle – anbietet…

Andersrum gedacht

Haben Sie es auch schon mal richtig doof gefunden, dass man Menschen mit Hunden allzu oft unterstellt, der Hund sei reiner Kindersatz? Diese scheinbar vorherrschende Meinung löste ganz andere Gedanken bei mir aus …

Kleingedrucktes

Kleingedrucktes

Nur wenige hundert Euro trennen mich von der atemberaubenden Schiffsreise auf den großen Meeren dieser Welt. Das verspricht zumindest der Werbespot, der sich mir in einer meiner kurzen Wachphasen während des abendlichen Fernsehprogramms zeigt. Natürlich mit musikalisch untermalten Bildern von fernen Ländern, braungebrannten Menschen und gutgelauntem Schiffspersonal. Es scheinen Werbeprofis am Werk gewesen zu sein. Fast haben sie mich – obwohl ich überhaupt kein maritimer Typ bin. Mir wird versichert, dass es sich nicht um „irgendeine“ Kreuzfahrt handelt – die Vorstellung alleine lässt mich vor Freude fast seekrank werden.

Aber weil ich eben nicht gänzlich „sehkrank“ bin, entdecken meine müden Augen das kleine Sternchen, welches sich heimlich hinter das Eurozeichen gesetzt hat. Es weist auf das Kleingedruckte hin, das aufgrund des minimalen Schriftgrades und der Kürze des Werbespots unlesbar bleibt.

Ich ahne – bin ja nicht doof: Kajüte ohne Tageslicht direkt neben dem Motorraum, Frühstück ohne Nutella, Durchsagen wahlweise auf Suaheli oder Hindi und alles ohne Stewards, die so aussehen wie Sascha Hehn!

Ich muss daran denken, dass es Kinder und Partner auch nicht ohne Kleingedrucktes gibt. Bei dem einen weist es verstohlen auf die Unlust zum Aufräumen hin, anderes steht für das Unvermögen, nur das einzukaufen, was auf dem Einkaufszettel steht. Es gibt Kleingedrucktes fürs Schnarchen, für permanentes Zuspätkommen, fürs zu lange Telefonieren und sogar fürs Zahnpastatube offen liegenlassen. Es scheint eine Vielfalt an menschlichen, kleingedruckten Unzulänglichkeiten zu geben. Auch ich verfüge über einige und freue mich klammheimlich, dass ich rechtlich nicht verpflichtet bin, diese offenkundig mitzuteilen.

Das ist auch nicht nötig, denn wie meine jüngste Erfahrung zeigt, sind kleingedruckte Mangelhaftigkeiten in der Lage, bei Abwesenheit – wohlgemerkt nur bei Abwesenheit! – mittelschwere Sehnsuchtsschübe auszulösen: Herumliegende Turnschuhe im Flur – inzwischen zu Herzen gehendes Erkennungsmerkmal der einen Tochter; lange, dunkle Haare auf hellen Badezimmerfliesen – mittlerweile lieb gewonnene Eigenheit der anderen Tochter.

Auch wenn ich manchmal mit wehmütigen Gedanken der Vergangenheit nachhänge: Der Kreuzfahrt zeige ich entschlossen und unbeirrt den Vogel. Wenig später endet auch schon wieder diese kurze Wachphase vor dem Fernseher – ein kleingedrucktes Unvermögen meinerseits!

Unverpackt – Einkaufen ohne „Müll“

 

Mein Februar-Interview 2018 im XXradio stand ganz im Zeichen des Umweltschutzes beziehungsweise -bewusstseins! Wiebke Euler besuchte uns im Studio und erzählte mir von Ihrem Laden „Unverpackt“. Ist es nicht unser aller Wunsch, weniger Müll zu produzieren?

Jungs verstehen – Dirk Fiebelkorn tut es!

 

In der Januar-Sendung 2018 von XXradio hatte sich – wie schön – Dirk Fiebelkorn Zeit genommen, um zu erzählen, warum und wie er Jungs versteht! Auch wenn ich selbst mit zwei wunderbaren Mädchen beschenkt bin, so reicht mein Interesse doch so weit, dass ich auch Jungs verstehen will! Hört rein!

www.jungsverstehen.de

Das hätte was!

Das hätte was!

Vielleicht ist es eine Unterstellung, aber ich behaupte einfach mal, dass jedem Menschen der Gedanke: „Das hätte was!“ bekannt ist. Manch einem kommt diese Auffassung bereits beim Anblick eines Schuhpaares im Schaufenster; hin und wieder geht er mit dem Motorengeräusch eines leistungsstarken Autos einher. Oder eine Weltreise, eine neue Frisur, eine Safari, ein anderer Beruf, ein neuer Partner, Häkeln lernen, einen Laden eröffnen oder eine Katze aufnehmen: „Das hätte was!“.

Es gibt vielfältige Vorhaben, Träume, Pläne, Ziele, von denen man sicher ist, dass sie nur darauf warten von einem selbst erlebt oder erreicht zu werden. Gleichzeitig aber stellen sich nicht selten Gedanken in den Weg, die in der Lage sind, unliebsame Bremsspuren zu verursachen: „Nicht jetzt, später…“, „Denk an das Geld…“, „Wenn aber…“ oder „Was werden die anderen denken?“. All diese fiesen Sätze, die auch ich gut kenne und die sich gut kaschiert zwischen mich und meine Träume zu schieben versuchen. Mal im Tarnkleid des lobenswerten Verantwortungsgefühls, mal bemäntelt als rettender Sicherheits-Check, aber immer zuverlässig als Moralapostel mit der Frage: Wie viel Egoismus darf sein? Egoismus scheint ähnlich verrufen wie Atomenergie, Asbest oder Massentierhaltung, weswegen mein Grübelometer heftig ausschlägt. Denn richtig heikel scheint es bei all den Träumen und Vorhaben zu werden, wenn kein karitativer Nutzen erkennbar ist und wenn es nicht die Bedürfnislage Anderer mit einbezieht – und da fallen mir viele ein: Freunde, Nachbarn, Freiwillige Feuerwehr, Arbeitskollegen, Rotes Kreuz, Haustiere, Partner, Chef, Eltern, Sportverein und – last but not least – die geliebten Kinder.

Ein Vorhaben ins Auge zu fassen, welches ausschließlich die eigenen Bedürfnisse befriedigt, ist in etwa so gewagt, wie die Rezeptur von Nutella zu verändern.

Aber – verdammt nochmal – das hätte was!

Birgt es nicht ein viel größeres Risiko, seine Träume und Ziele nicht in Realität umzuwandeln? Ist vielleicht die Erkenntnis „Ich bin nicht der Nabel der Welt und diese dreht sich auch ohne mich weiter“ nicht frustrierend sondern befreiend?

Ich bin mir noch nicht gänzlich sicher, aber das herauszufinden, das hätte was!

Harkst du noch oder pustest du schon?

Gehörst du auch zu den Leidgeplagten, die einen Nachbarn haben, der sein Laub mit einem Laubpuster beikommt? Dieser Umstand – ich mag den Nachbarn aber nicht seine Art, Laub zu beseitigen – war bereits vor einigen Jahren Impulsgeber für diese Kolumne…