Wieso ist uns manchmal alles egal?

 

Susann fragt Inge…woher diese „Egal-Haltung“ kommen kann, die in der Kolumne „Heute ist mir alles egal“ beschrieben wird. Sind wir an Informationen übersättigt? Tragen die Medien dazu bei? Können wir jeden Fisch vor dem Sterben retten?

Licht und Schatten des Osterhasen

Licht und Schatten des Osterhasen

Lassen sich die Tiefen der menschlichen Psyche ohne Weiteres auf die des Osterhasen übertragen? Ja – wenn man denn möchte.

Auch bei der aus einem Brauchtum entstandenen, ungefährlich geltenden Spezies – dem Osterhasen –  vereinen sich vermeintlich gute und schlechte Wesensanteile.

Mir stellt sich nicht nur die Frage, ob auch der Osterhase im Laufe seines Lebens mitunter versucht, die schlechten Eigenschaften unter den Teppich zu kehren, so wie es manche Menschen mit enormen Einfallsreichtum und Aufwand betreiben. Auch frage ich mich bezüglich Hase und Mensch: Was lässt einen Wesens- oder Persönlichkeitsanteil überhaupt zum „Schatten“ oder zum „Licht“ werden?

Wer bestimmt das? Wer übernimmt die Klassifizierung? Wer sortiert aus diesem vielfältigen Gemenge und bestimmt gleichzeitig über zum Beispiel Scham oder Stolz?

Wenn ich mich in all diese Fragen vertiefe, dann komme ich mehr und mehr zu der Überzeugung, dass Eigenschaften nicht statisch sondern dynamisch sind. Was sie zu einer guten oder zu einer schlechten werden lässt, scheint die Intensität, das Maß oder genauer gesagt das Ausmaß zu regeln. Zu viel des Guten kann nachteilig und unerträglich werden. Wohingegen zu wenig des Schlechten schon fast als anständig empfunden werden kann. Das Maß einer Sache scheint in der Lage zu sein, etwas ins Gegenteil zu verkehren.

Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Osterhasen mit seiner wunderbaren Eigenschaft der Großzügigkeit, mit der er uns Jahr für Jahr mit Leckereien – bestenfalls Eier aus dunklem Nougat – beschenkt. Wenn ich mir vorstelle, er bringt mir zu Ostern lediglich eins davon, dann hat sich seine Großzügigkeit nullkommanix in Geiz verwandelt. Wenn er aber mit einem Gigaliner vorführe und mit Tonnen von Nougateiern meinen Hof pflasterte, dann hätte sich die Großzügigkeit in Maßlosigkeit verkehrt.

Für mich wird immer klarer: Wir, Mensch und Osterhase, scheinen aus vermeintlich guten und weniger guten Eigenschaften zu bestehen – eine Art Cocktail, eine Komposition oder einfach nur ein Kuddelmuddel aus „Jippie“ und „Buh“. Die Kunst oder das Ziel ist nicht, nur mit „Jippie-Eigenschaften“ durch das Leben zu gehen. Vielmehr scheint es darauf anzukommen, den einzelnen Wesensanteilen je nach Situation im wohltuenden Maße Ausdruck zu verleihen.

Konkret und um den Bogen zu meinem aktuellen Osterhasen-Beispiel zu spannen: Zehn Nougateier fände ich großzügig und wunderbar.

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Fast täglich bekomme ich Mails mit besagter Aufforderung: HIER KLICKEN. Ich habe nicht zusammengerechnet, wie viel Geld mir – wenn man dem Absender Glauben schenkt – entgangen sein müsste, weil ich eben nicht HIER KLICKE. Aber etwas Gutes haben diese lästigen, unglaubwürdigen Mails: Sie inspirierten mich zu dieser Kolumne…

 

 

XXradio – nächste Sendung?

 

Unsere nächste Sendung ist am Mittwoch, den 20. Februar 2019 von 20-21 Uhr. 

Geplant ist für die Februar-Sendung ein Interview mit Kristina Lohfeldt und Markus Wenzel. Das Paar ist buchbar für ein humoriges, besonderes Ereignis: das Live-Hörspiel! Einen Eindruck davon gibt es auf deren Homepage www.krilotex.de

Bis dahin wünsche ich eine wunderbare Zeit und bleibt neugierig!

…und das ganze im Offenen Kanal Lübeck – 98,8 – oder über das Internet im Live-Stream!

Wie stehen Sie zur artgerechten Haltung?

Artgerechte Haltung – wer denkt da nicht an Schweine oder geschredderte Küken? Dass es aber noch eine ganz andere, sehr erwähnenswerte artgerechte Haltung gibt, mache ich in dieser Kolumne deutlich…

 

 

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Ich habe eine Glückssträhne – die Welt meint es gut mit mir. Erst eben wieder bekam ich eine nette E-Mail von Melissa Martin. Gestern von Benedikt Hofmann und vorgestern von Vanessa Keller.

Eigentlich spielt es keine Rolle, wie sie heißen – was sie verbindet ist ihr unermüdliches Bemühen, mich für einen KLICK zu begeistern. Ein KLICK mit meiner Maus am heimischen PC, der mein Leben verändern wird. Positiv verändern, versteht sich!

Vanessa entschuldigt sich zuerst kniefällig für ihre späte Rückmeldung. „Kein Problem, Vanessa. Ich erwarte keine Rückmeldung bei nicht vorangegangener Meldung meinerseits“, denke ich, und hoffe, dass meine Gedanken sie von ihren Schuldgefühlen befreien. Dann lässt sie mich wissen, dass fast 3000 Euro erwirtschaftet wurden, die Bank gibt „grünes Licht“ und ich könne sofort loslegen! Dafür müsse ich nur HIER KLICKEN!

Auch Benedikt überschüttet mich mit Glückwünschen, denn ich gehöre zu den 1 Prozent der Auserwählten, die die einmalige Chance erhalten, mindestens 5000 Euro in der Woche zu verdienen. Frei von Anstrengung, versteht sich, ich müsse nur schnell HIER KLICKEN! Ich bin ergriffen ob dieser himmlischen Fügung dazuzugehören. Aber aus einem solidarischen Wirgefühl heraus mit den restlichen 99 Prozent will ich dann doch nicht HIER KLICKEN.

Melissa, die Gönnerin von heute, legt noch eine Schippe drauf: Sie verspricht mir sage und schreibe +/- 50.000 Euro pro Woche. Es scheint alles so einfach, so exklusiv, so erreichbar nahe, fast kostenlos, dafür aber immens dringend, ich müsse nur zackig – verdammt nochmal – HIER KLICKEN!

Die Rede ist natürlich nicht von befreundeten Wohltätern, sondern von sogenannten „Phishing-Mails“. Jeder Nutzer eines E-Mail-Programms macht Erfahrungen mit den vermeintlich gutgemeinten, verlockenden Nachrichten. „Phishing“ kommt von „fishing“ (=angeln, fischen) – es wurde lediglich das f umgewandelt in ph. Und genau das, das Angeln, ist das Hauptmerkmal dieser Mails. Sie angeln und fischen nach persönlichen Daten, bauen dabei auf die Gutgläubigkeit und Naivität der Internetnutzer und setzen deren Kontoplünderung zum Ziel – nicht deren Wohlergehen! Das versuchen Melissa, Benedikt, Vanessa und viele andere, indem sie die Nutzer mit unterschiedlichem Geschick vom HIER KLICKEN überzeugen.

Gut beraten scheinen mir alle, die beherzigen, dass überall, wo HIER KLICKEN steht HIER NICHT KLICKEN die klügere Alternative ist.

„Wo geht’s denn hier zur Chefetage?“

„Wo geht’s denn hier zur Chefetage?“

„Wo geht‘s denn hier zur Chefetage?“ Ich übe diesen Satz schon seit Jahrzehnten. Ich bin bemüht, ihn mit einer selbstsicheren Betonung und mit einem souverän wirkenden Auftreten auszusprechen. Ich will ja eine zeitgemäße Frau sein. Ich übe vor dem Spiegel. Es ist nicht einfach, zumal ein lasziver Augenaufschlag dabei unbedingt unterdrückt werden sollte, während ich trotz der eingesetzten Zielstrebigkeit im Tonfall auch nichts an weiblichen Liebreiz verlieren möchte. Ich übe weiter, weil ich das Gefühl habe, dass es von mir als Frau und Mutter erwartet wird. Spaß beiseite!

Seit Jahrzehnten wird an der Baustelle „Gleichberechtigung“ gebaut. Es wurde und wird verbessert, optimiert und gerechter gestaltet. Eigentlich sollte ich dankbar sein. Ich bin es auch – wirklich – in gewisser Weise. Aber ich finde es zuweilen auch anstrengend, den Eindruck zu bekommen, dass ich all die geschaffenen Gegebenheiten und all die geebneten Wege als Frau und Mutter jetzt – bitte schön – auch in Anspruch nehmen soll.

Der zurückliegende Weltfrauentag verdeutlicht: Es wird bemängelt, dass frau nach wie vor teilzeitig beschäftigt ist; es wird festgestellt, dass Mütter nach wie vor „die Hauptlast der Betreuung“ tragen (Anmerkung der Autorin: dafür aber auch die Hauptfreude!) und zudem vermisst man frau immer noch in den sogenannten Führungspositionen.

Mich beschleicht der Gedanke, dass die sogenannte „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ vielleicht doch ein politischer Trugschluss sein könnte, der –wiedermal – auf den Rücken der Frauen ausgetragen wird. Was der Weltfrauentag nicht thematisiert, ist, dass immer mehr Frauen an Burnout erkranken. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Selbst wenn Kinderbetreuung, Arbeitszeiten und das zur Verfügung stehende Geld sich im harmonischen Dreiklang befinden, so wird meiner Meinung nach die Kraft und Energie unterschätzt, die Mütter – und natürlich auch Väter in der Situation – dafür aufbringen müssen. Denn rückblickend aus meinem Erleben heraus handelt es sich um drei völlig unterschiedliche – ich nenne sie mal – „Kraftfelder“, die aber zeitgleich und im gleichen Maße aus meinem Energiehaushalt schöpften. Selbst bei eben erwähnten harmonischen Dreiklang.

Deshalb wünsche ich mir für kommende Weltfrauentage, dass auch auf gute Gründe aufmerksam gemacht wird, nicht „Wo geht’s denn hier zur Chefetage?“ zu fragen, sondern vielleicht „Wo geht’s denn hier zur Familie?“

Ein „Lauf der Dinge“

Ein „Lauf der Dinge“

Ein altes Haus in meinem Umfeld wird dem Erdboden gleichgemacht und verschwindet ohne Wiederkehr aus einer gewohnten dörflichen Skyline. Das fühlt sich für mich beinahe so an, als wenn auch von mir ein Stück entfernt wird. Immerhin sorgt dieses Gebäude für mich seit Jahrzehnten für einen vertrauten Anblick und es trägt zum wohligen Gefühl „Hier bin ich zu Hause“ bei. Vielleicht kann ich es sogar Heimatgefühl nennen, wozu das besagte Haus unbewusst über Jahre einen kleinen Beitrag geleistet hat. Und jetzt?

„Auf Nimmerwiedersehen, du altes, schönes Gebäude!“

Aus bautechnischer Sicht gibt es gute Gründe, sich für den Abriss anstatt für eine umfangreiche Sanierung zu entscheiden. Das ändert aber nichts an meinem Gefühl, dass mit dem Haus auch ungefragt ein Teil meiner Kindheit oder Jugend abgerissen wird. Für eine Sitzblockade oder eine lärmerfüllte Demonstration als Zeichen meines Protestes ist es zu spät. Wehmütig halte ich an den Geschichten und Erinnerungen fest, die durch das Haus und die Menschen, die darin lebten und leben, in mir verankert sind. Glücklicherweise schaffen es weder Bagger noch Abrissbirne, mir diese zu nehmen!

Es scheint, als wenn ich diesen kleinen, mentalen Tiefpunkt durchlaufen muss, bevor sich ganz andere Gedanken in mir breit machen können.

Endlich: Eine wohltuende, erkenntnisreiche Betrachtung der Dinge – weg von der Ich-Bezogenheit! Ich möchte die Ich-Zentrierung nicht verteufeln – gewiss nicht. Ich glaube sogar, dass sie sehr hilfreich sein kann, wenn sie nach innen geht, also in sich selbst hinein. Aber beim Blick nach außen, also auf die Umgebung, scheint sie mir hinderlich.

Im übertragenen Sinne nutze ich den Abriss des Hauses als eine Übungseinheit, die sich problemlos auf andere Bereiche des Alltags übertragen lässt: Loslassen, neue Gegebenheiten annehmen und akzeptieren, dass der sogenannte „Lauf der Dinge“ nicht wegen meiner Befindlichkeiten zu einem „Stopp der Dinge“ wird.

Denn sicher scheint: Das, was nach dem Abriss des alten Hauses auf dem Stück Land entstehen wird, verleiht zukünftig anderen Menschen einen über Jahrzehnte andauernden, vertrauten Anblick und bestenfalls auch einen Hauch von Heimatgefühl.

Mein Alternativ-Job

Alternativen scheinen modern zu sein. Grund genug, dass ich mir über einen möglichen Alternativ-Job Gedanken mache…

 

 

Die Rosa-Hellblau-Problematik

Die Rosa-Hellblau-Problematik

Kennen Sie die Rosa-Hellblau-Problematik? Damit ist keine Farbfehlsichtigkeit gemeint, wie die sogenannte Rot-Grün-Blindheit, von der bedeutend mehr Männer betroffen sind als Frauen, sondern die Geschlechtszuordnung nach Farben: Rosa gleich Mädchen und Hellblau gleich Junge.

Man sollte meinen, dass in Zeiten, in denen Erwachsene immer mehr die Geschlechterklischees überwinden, auch Unternehmen und Konzerne die Stereotypisierung als erledigt betrachten.

Tatsächlich aber betreiben Unternehmen mit ihren Produkten eine zunehmende, äußerst hartnäckige Geschlechterzuordnung – bevorzugt bei Spielwaren, Baby- und Kleinkindbekleidungen und immer öfter auch bei Lebensmittelverpackungen. Ursache ist, dass sich geschlechtsspezifische Produkte besser verkaufen als neutrale. Folglich wird die Weitergabe eines Produktes unter Geschwister erschwert, wenn es sich um Schwester und Bruder handelt. Das wiederum führt zum Neukauf.

Die Anzahl der Produkte steigt, jedoch nicht die Auswahl. Geschickt gemacht – Applaus Applaus!

Kann man es den Unternehmen verübeln, dass sie mehr an ihrem Umsatz interessiert sind, als am Aufheben einengender, absurder und teilweise diskriminierender Geschlechtertrennungen?

Trotz Widerstandes in der Gesellschaft, wie ihn zum Beispiel „Pinkstinks“ leistet, scheinen geschlechtsneutrale Produkte Mangelware zu sein. Vom Schnuller, über Spielzeug bis hin zum Schulranzen – fast immer werden wir konfrontiert mit zwei Stereotypen: Der tatkräftige, heldenhafte, blaugefärbte Nachwuchs-Ingenieur mit Schwert inmitten aktiver Betätigungsfelder, wie Polizei, Feuerwehr, Raumfahrt, Bauarbeit oder Hochleistungssport und die auf das Streicheln, Kämmen und Schminken reduzierte, vom Feenstaub umgebene, Pferde liebende, rosagetränkte Prinzessin mit Handmixer bewaffnet.

Steckt hinter dieser einseitigen und beschränkten Darstellung Gehirnwäsche oder tatsächlich eine Interessenvertretung unserer Jüngsten?

Eine Benachteiligung besteht meiner Meinung nach in höherem Maße für die Jungen. Denn längst sind Fußball spielende, von Dinosauriern begeisterte und Latzhosen tragende Mädchen gesellschaftstauglich – aber wie sieht es mit Jungen im Prinzessinnenkostüm aus, deren Lieblingsfarbe Rosa ist und die einfach mal ein Einhorn streicheln möchten?

Meiner Überzeugung nach kann die Rosa-Hellblau-Problematik eine wirklich freie Wesens- und Interessenentfaltung mancher Kinder behindern. Sie sorgt dafür, dass eben erwähnte Jungen unser Gesellschaftsbild nicht bereichern können, ohne dass Kind und Eltern geringschätzende, lächerlich machende, verletzende Kommentare oder Blicke aus dem Umfeld zu erwarten haben. Schade eigentlich!