Brummers und meine Intelligenz

Inspirationen – ein schönes Wort. Der eine findet sie in einem betörenden Duft, ein anderer in farbenprächtigen Blüten und wieder ein anderer in der Klarheit eines Gewässers. Mich inspirierte eine nervige, kleine Schmeißfliege zu dieser Kolumne…

 

 

Schwerhörig? Vergesslich?

Wer sich beim Hören dieser Kolumne „wiederfindet“, der lebt mit großer Wahrscheinlichkeit mit Teenagern unter einem Dach!

 

 

Der überhebliche Mensch

Der überhebliche Mensch

Nicht unüblich ist es, dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Philosophie- oder Religionsunterrichtes sich mit der Frage beschäftigen, wie Gott zulassen kann, dass Menschen durch zum Beispiel Naturkatastrophen zu Tode kommen. Genau der Gott, von dem doch eigentlich nur Gutes ausgehen soll. Der Gott, der sich mühevoll sechs Tage abgeplagt haben soll, um die Welt, also auch uns Menschen, zu erschaffen bevor er dann am siebten Tag nach getaner Arbeit zufrieden die Beine hoch legte. Wie kann er so ein Unglück zulassen?

Für mich wird in dieser Frage eine kaum zu überbietende Überheblichkeit des Menschen deutlich. Bilden wir uns tatsächlich ein, dass wir über allem stehen? Dass Menschen es am meisten wert sind, geschützt und behütet zu werden?

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass – wer oder was auch immer – der Natur in gewissen Abständen erlaubt, mal so richtig „Halligalli“ zu machen; Ihr zugesteht, sich einen feuchten Kehricht um das zu kümmern, was die Menschen von ihr erwarten; Sie ermutigt, sich in vollem Umfang auszutoben! Ohne Rücksicht, dafür mit ausgeprägtem Blick auf die eigenen Interessen – genauso, wie es der Mensch zu handhaben pflegt. Denn das – laut Duden – „höchstentwickelte Lebewesen mit der Fähigkeit ausgestattet zu logischem Denken, zur Sprache, zur sittlichen Entscheidung und Erkenntnis von Gut und Böse“ zieht aus der Natur hochmütig Nutzen, aus dem stellenweise schon längst ein Ausnutzen geworden ist.

Zurück zum Schulunterricht: Vielleicht sind die besagten Katastrophen keine Strafen für Menschen, sondern vielmehr großzügige Geschenke an die Natur? Der Wind, der sich mal so richtig aufblasen darf, verabredet sich mit dem Regen, der pausenlos prasselt, zum Spielen und sie toben sich hemmungslos aus und rollen dabei mit kindlicher Naivität über bewohnte und unbewohnte Gebiete.

Die korrekte Frage scheint mir nicht: Wie kann Gott das zulassen? Sondern sie könnte lauten: Wieso sollte – wer oder was auch immer – das nicht zulassen, nachdem wir bereits mit der sogenannten Intelligenz nobel beschenkt worden sind, und unsere Bedürfnisse teilweise auf Kosten der Natur befriedigen?

 

Typenstudie auf dem Elternabend

Elternabende waren und sind ein Erlebnis. Zugegeben, nicht immer ein erfreuliches, aber irgendwie doch immer so, dass man herrlich die Menschen „studieren“ konnte…

 

 

Mein Besuch beim Blockflöten Consort Vierklang

 

Im Januar 2016 sendete ich meinen Beitrag, den ich nach einem Proben-Besuch des Blockflöten Consort Vierklang aus Bornhöved zusammenstellte. Vorausgegangen war folgende schöne Begebenheit: Ich schrieb eine Kolumne zur Blockflöte und erwähnte in dieser eine gewisse Unpopularität des Instrumentes. Darauf bekam ich einen Leserbrief einer Frau, die diese Flötengruppe musikalisch und persönlich bereichert und eine Einladung, an einer Probe teilzunehmen…

Schwerhörig? Vergesslich?

Schwerhörig? Vergesslich?

Kennen Sie das? Ein heranwachsendes, geliebtes Menschlein in Ihrer näheren Umgebung will Ihnen weismachen, dass Sie schlecht hören und sowieso irgendwie tüddelig und vergesslich wirken! Ich habe das Gefühl, dass derartige Diagnosen vermehrt an mich herangetragen werden. Nun bleiben mir mindestens zwei Möglichkeiten: Verunsichert gehe ich zu meinem Hausarzt und lasse mich „durchchecken“, um ein eventuelles körperliches Defizit in Ohr- oder Gehirnnähe frühzeitig zu erkennen, um dagegen etwas zu tun oder bestenfalls um etwaige Lädierungen ganz auszuschließen. Ich habe mich entschlossen diese Möglichkeit noch ein paar Jährchen aufzuschieben und entscheide mich vorerst für die zweite, die offensive, argumentationslastige Variante, mit der ich solch vorschnellen Diagnosen von Heranwachsenden dann und wann entgegne.

Diese Option hört sich in etwa so an: „Liebes Kind! Ich hätte dich verstanden, wenn du in der Lage wärst, beim Kommunizieren deinen Blick in meine Richtung zu wenden, damit deine Worte Kurs auf mich nehmen können! Ich dachte, du sprichst mit deinem Pullover oder mit dem Krümel auf dem Fußboden! Weiter ist es beim Reden, wenn dein Reden schon das Ziel haben soll, für mich verständlich zu sein, von Vorteil, die Zähne und Lippen auseinander zu nehmen. Laute formen sich nur sehr widerwillig beim Nichtbewegen des Mundes! Entschuldige – aber es war nicht einmal sichtbar, dass du etwas gesagt hast. Wie soll es dann hörbar sein? Und außerdem, geliebtes Kind: Ich bin nicht vergesslich, nur weil ich mir die gefühlten zehn, davon mindestens sieben ungewöhnlichen Nachnamen deiner Lehrkräfte inklusive der Fächer, die sie unterrichten, nicht merken kann, zumal dein Geschwisterkind mich mit ungefähr der gleichen Anzahl an Namen konfrontiert. Es wäre für mich auch ein Leichtes, mir zu merken, wer von euch sich wann, wo, mit wem zu welcher Uhrzeit treffen möchte, wenn ich nicht parallel dafür Sorge tragen müsste, dass der Kühlschrank voll, das Konto ausgeglichen, die Katze gefüttert, die Rechnung überwiesen, der Strom abgelesen, der Einkauf erledigt, das Geschenk besorgt, das Essen gekocht, das Fahrrad repariert, der Schnee geschippt und die Wäsche gewaschen ist. Glaube mir, liebes Kind, noch bin ich weder schwerhörig noch vergesslich. Ich bin einfach nur ein „stinknormaler“ liebender und beschäftigter Elternteil!

Grenzenlos vernachlässigt?

Grenzenlos vernachlässigt?

Grenzen, wenn sie aus Mauern und Stacheldraht bestehen, finde ich doof! Es sei denn, sie trennen mich von wilden, hungrigen Tieren!

Es gibt aber Bereiche, in denen meiner Meinung nach Grenzen für ein harmonisches Miteinander unerlässlich sind. Zum Beispiel im Zusammenleben von Eltern und Kindern unter einem Dach. Hier dienen Grenzen – nicht aus Stacheldraht – dem Schutz und sogar dem Sicherheitsgefühl des Kindes. Es gibt jedoch Eltern, die sich kaum mehr trauen oder kaum in der Lage zu sein scheinen, sogenannte Grenzen zu setzen. Woran mag das liegen?

Zum einen, vermute ich, dass manche Eltern sich über ihre eigenen, ganz persönlichen Grenzen gar nicht bewusst sind. Und zum anderen liegt es vielleicht auch daran, dass Eltern zu oft Konflikten mit ihren Kindern aus dem Weg gehen wollen, weil sie glauben, dadurch ihre grenzenlose Liebe zum Ausdruck zu bringen. Manchmal sind sie vielleicht auch einfach nur müde oder gedankenverloren. Oder beides?

Kurzfristig lässt sich mit der bequemen Grenzenlosigkeit sicherlich das eine oder andere lautstark weinende, wütend tobende oder aufmüpfig brüllende Kind zu einem scheinbar glücklichen und ach so unkomplizierten Sprössling umkehren.

Aber tun Eltern ihrem Nachwuchs damit nachhaltig einen Gefallen?

Die Entschlussunfähigkeit mancher Eltern und ihre mangelnde Konsequenz sind es, die bei Kindern eine gehörige Portion Unsicherheit auslösen können. Kinder brauchen das Selbstverständnis der Grenzen und den Umgang mit diesen. Und sie fordern die Möglichkeit ein, diesen Umgang zu lernen. Das sollten Eltern ihren Kindern nicht vorenthalten – auch wenn es aus meiner Erfahrung heraus sehr anstrengend sein kann. Je klarer, unmissverständlicher und doch liebevoll diese sogenannten Grenzen vorgegeben werden, desto schneller und leichter scheinen Kinder darin zu sein, diese auch gern für sich zu übernehmen. Aus der Konsequenz der Eltern kann für das Kind ganz viel Sicherheit und Geborgenheit entstehen – das hatte ich diverse Male im Hinterkopf, wenn das Grenzen setzen sich wiederholt als mühsam und strapaziös erwies. Und ehrlich gesagt, habe ich es auch jetzt noch im Hinterkopf, wenn ich wiedermal großzügig – man kann es auch bequem oder inkonsequent nennen – unsere vereinbarte „Nutella-Frühstücks-Regelung“ über den Haufen werfe!

Kurzum: Ich bin der Überzeugung, dass Grenzenlosigkeit in der Begleitung von Kindern auch eine Art Vernachlässigung ist – sozusagen grenzenlos vernachlässigt.

Je suis…wer oder was jetzt?

Je suis…wer oder was jetzt?

Hin- und hergerissen nehme ich mich und mein Umfeld nach dem wiederholt Unfassbaren wahr.

Traurig denke ich an mir völlig unbekannte Menschen in und um Paris, die nun mit dem brutalen Tod eines nahen Angehörigen weiterleben müssen. Gleichzeitig merke ich, wie mir viele Solidaritätsbekundungen, besonders die im weltweiten Netz, wie hohles „Weltgelaber“ erscheinen.

Ein Mausklick und man ist aktuell „Je suis Paris“, was übersetzt heißt: „Ich bin Paris!“. Die Schnelligkeit, mit der heutzutage Solidarität bekundet werden kann, kommt dem temporären Wunsch nach Zusammengehörigkeit und Gesinnungsgleichheit entgegen. Das freut mich für die Menschen, die das so brauchen. Ein Nachteil kann sein, dass durch den geringen Aufwand – ein Mausklick – eine Art unbedachtes Mitläufertum entsteht.

„Je suis Paris“ wird bekundet – zeitgleich erfahren Menschen, die genau wegen solcher in ihrer Heimat fast alltäglichen Ereignisse ihr Zuhause verlassen und in unserem Land Schutz suchen, auch Ablehnung.

„Je suis noch nie Syrien“ gewesen und je sius auch nicht Kongo oder Afghanistan. Wieso eigentlich nicht? Solidarität für Mitmenschen scheint einfach, solange sie nicht zu weit weg sind und solange die Grenze zu „meinem“ Land nicht überschritten wird!

Dazu kommt: Wenn der erste Schock vorüber sein wird, weicht die Solidarität nicht selten dem Kommerz und wir können Textilien und Taschen mit besagten Spruch kaufen. So war es zumindest bei „Je suis Charlie“.

„Je suis Paris“. Bin ich Paris? Kann ich Paris sein, ohne jemals dort gewesen zu sein und ohne Französisch sprechen zu können? Wenn ja, dann bin ich auch das nicht eingehaltene Integrationsversprechen, das dafür sorgt, dass zehn Jahre nach heftigsten Ausschreitungen in den Pariser Randzonen, den Banlieues, wörtlich übersetzt Bannmeilen, nach wie vor von Ausgrenzungen und Defiziten in vielen Bereichen betroffen sind.

Nein, ich für mich nehme Abstand von derart dargestellten Solidaritätsbekundungen, auch wenn mir dadurch ein Weg versperrt bleiben mag, meiner Traurigkeit, der Ohnmacht, der Angst und dem Entsetzen über die grausamen Ereignisse Ausdruck zu verleihen.

Alles zu seiner Zeit

Alles zu seiner Zeit

Dieses Jahr mache ich es anders. Ganz bestimmt. Nicht wieder kurz vor Weihnachten wie von einer Tarantel gestochen die letzten Geschenke besorgen! Dieses Jahr passe ich mich dem Einzelhandel an und tue spätestens im Oktober so, als stünde knirsch Weihnachten vor der Tür. Stress-Prophylaxe nennt man das wohl. So werde ich alles genüsslich und entspannt mit einem Jesus-liebenden Lächeln im Gesicht erledigt haben noch bevor ich am Kalender das Oktoberblatt abreiße.

Aldi legt bereits die leckeren Lebkuchen ins Regal und bei Möbel Kraft entgehe ich nur knapp einem Weihnachtskugel-Koller. Das ist mein Startschuss! Mit meiner Liste, auf der alles fein säuberlich festgehalten ist, wer was für wie viel und von wo geschenkt bekommen soll, mache ich mich auf den Weg.

Angestrengt rede ich mir ein: Es weihnachtet sehr! Und ich summe stimmungsfördernd „Last christmas“ vor mich hin. Ich erkläre das Rentier zu meinem Lieblingstier und überhaupt richte ich mein gesamtes Denken Richtung winterliche Weihnachten und besorge schon einmal Streusalz, Glühwein und frisches Lametta! Enttäuscht stelle ich fest, dass trotz meiner engelhaften Bemühungen noch nichts weihnachtet in mir! Wie soll ich Weihnachtsgefühle bekommen, wenn sich meine Zehen spätsommerlich vergnügt an den Flip-Flops festhalten und wenn mein Schneeball aus Laub besteht? Ich bin ernüchtert: Ich werde es wie jedes Jahr machen. Diese kommerzielle, verfrühte Festtagsstimmung geht mit mir nicht. Jesus wurde Ende Dezember geboren – basta! Im Oktober hatte Maria noch nicht einmal Senkwehen und mit Sicherheit hatten Caspar, Melchior und Balthasar auch noch nicht Monate im Voraus ihre Geschenke organisiert. Also bitte alles zu seiner Zeit. Ich bekenne: Erst wenn es Advent ist, wenn ich jeden Morgen ein Schoki-Stück aus dem Weihnachtskalender nehmen kann und wenn das Dezemberblatt am Almanach sichtbar ist, dann bin ich bereit, für meine Lieben Geschenke zu besorgen!

Liebes Facebook

Liebes Facebook,

wie du vielleicht schon bemerkt hast, habe ich dich verlassen! Du wurdest mir ans Herz gelegt, weil es ein absolutes Muss sein soll, sich oder zumindest sein „Produkt“ über dich bekannt zu machen. Irgendwann – viele Jahre nach dem großen Hype um dich – war dann auch ich soweit. Obwohl ich deine Oberfläche nie leiden konnte, habe ich dir eine Chance gegeben, denn meine Mutter sagt immer, dass es auf die inneren Werte ankommt. Aber auch deine inneren Werte, liebes Facebook, konnten mich nicht überzeugen. Deine überschaubaren Pluspunkte kommen einfach nicht gegen all die negativen Einflüsse und Eigenschaften an.

Um es auf den Punkt zu bringen: du nervst! Du erfüllst weder meine beruflichen Erwartungen noch passt du zu meinen zwischenmenschlichen Vorstellungen und Ansprüchen. Ich habe mich schnell dafür geschämt, Menschen virtuell meine „Freunde“ zu nennen und fast zeitgleich ihre Profile zu blockieren, damit ich, die lediglich ein Produkt bekannt machen wollte, nicht mit deren privaten Nutzungsgebaren konfrontiert werde. Binnen kürzester Zeit war ich einer andauernden Ambivalenz ausgesetzt. Auf der einen Seite das suchtähnliche Wissenwollen über Leserzahlen und -reaktionen und auf der anderen Seite die Ernüchterung über deine Überflüssigkeit und deine zeitraubenden Bombardements mit dem, was andere Menschen zu allen Themen und Pseudo-Themen der Welt „posten“. Die Wichtigkeit und der Sinngehalt dieser grenzenlosen Informationsflut erschließt sich mir nicht immer, sondern lässt meine Vermutung zur Überzeugung heranwachsen, dass du, liebes Facebook, nicht zu mir passt. Genauso, wie ich mich einst aus Neugier mit unternehmerischer Probierlust für dich entschieden habe, so entscheide ich mich nun bei vollem Bewusstsein gegen dich. Auch auf die Gefahr hin, dass mir LeserInnen und Feedbacks verloren gehen. Weiter nehme ich in Kauf – gern in Kauf! –, dass mir zukünftig verborgen bleibt, dass bei „Freundin X“ ein Huhn über die Terrasse läuft, dass „Freund Y“ einen Beitrag auf ZDF Neo gefällt oder dass „Freundin Z“ ein galoppierendes Pferd gefilmt hat. Dafür entgeht mir etwas wirklich Wichtiges nicht: Kostbare Zeit und meine Wahrnehmung, was sich für mich – unabhängig vom modernen Zeitgeist – stimmig anfühlt!

Und eins noch: Ich wurde „angestupst“ und weiß bis heute nicht, welcher Sinn sich dahinter verbirgt – falls sich überhaupt ein Sinn hinter dieser Albernheit verbirgt!? Goodbye, Facebook!