{"id":1483,"date":"2017-03-11T08:10:09","date_gmt":"2017-03-11T06:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inge-schlueter.de\/?p=1483"},"modified":"2017-03-17T20:03:41","modified_gmt":"2017-03-17T18:03:41","slug":"meine-aktuelle-kolumne-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.inge-schlueter.de\/?p=1483","title":{"rendered":"&#8222;Wo geht&#8217;s denn hier zur Chefetage?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><u>\u201eWo geht\u2019s denn hier zur Chefetage?\u201c<\/u><\/p>\n<p>\u201eWo geht\u2018s denn hier zur Chefetage?\u201c Ich \u00fcbe diesen Satz schon seit Jahrzehnten. Ich bin bem\u00fcht, ihn mit einer selbstsicheren Betonung und mit einem souver\u00e4n wirkenden Auftreten auszusprechen. Ich will ja eine zeitgem\u00e4\u00dfe Frau sein. Ich \u00fcbe vor dem Spiegel. Es ist nicht einfach, zumal ein lasziver Augenaufschlag dabei unbedingt unterdr\u00fcckt werden sollte, w\u00e4hrend ich trotz der eingesetzten Zielstrebigkeit im Tonfall auch nichts an weiblichen Liebreiz verlieren m\u00f6chte. Ich \u00fcbe weiter, weil ich das Gef\u00fchl habe, dass es von mir als Frau und Mutter erwartet wird. Spa\u00df beiseite!<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten wird an der Baustelle \u201eGleichberechtigung\u201c gebaut. Es wurde und wird verbessert, optimiert und gerechter gestaltet. Eigentlich sollte ich dankbar sein. Ich bin es auch \u2013 wirklich \u2013 in gewisser Weise. Aber ich finde es zuweilen auch anstrengend, den Eindruck zu bekommen, dass ich all die geschaffenen Gegebenheiten und all die geebneten Wege als Frau und Mutter jetzt \u2013 bitte sch\u00f6n \u2013 auch in Anspruch nehmen soll.<\/p>\n<p>Der zur\u00fcckliegende Weltfrauentag verdeutlicht: Es wird bem\u00e4ngelt, dass frau nach wie vor teilzeitig besch\u00e4ftigt ist; es wird festgestellt, dass M\u00fctter nach wie vor \u201edie Hauptlast der Betreuung\u201c tragen (Anmerkung der Autorin: daf\u00fcr aber auch die Hauptfreude!) und zudem vermisst man frau immer noch in den sogenannten F\u00fchrungspositionen.<\/p>\n<p>Mich beschleicht der Gedanke, dass die sogenannte \u201eVereinbarkeit von Familie und Beruf\u201c vielleicht doch ein politischer Trugschluss sein k\u00f6nnte, der \u2013wiedermal \u2013 auf den R\u00fccken der Frauen ausgetragen wird. Was der Weltfrauentag nicht thematisiert, ist, dass immer mehr Frauen an Burnout erkranken. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Selbst wenn Kinderbetreuung, Arbeitszeiten und das zur Verf\u00fcgung stehende Geld sich im harmonischen Dreiklang befinden, so wird meiner Meinung nach die Kraft und Energie untersch\u00e4tzt, die M\u00fctter \u2013 und nat\u00fcrlich auch V\u00e4ter in der Situation \u2013 daf\u00fcr aufbringen m\u00fcssen. Denn r\u00fcckblickend aus meinem Erleben heraus handelt es sich um drei v\u00f6llig unterschiedliche \u2013 ich nenne sie mal \u2013 \u201eKraftfelder\u201c, die aber zeitgleich und im gleichen Ma\u00dfe aus meinem Energiehaushalt sch\u00f6pften. Selbst bei eben erw\u00e4hnten harmonischen Dreiklang.<\/p>\n<p>Deshalb w\u00fcnsche ich mir f\u00fcr kommende Weltfrauentage, dass auch auf gute Gr\u00fcnde aufmerksam gemacht wird, nicht \u201eWo geht\u2019s denn hier zur Chefetage?\u201c zu fragen, sondern vielleicht \u201eWo geht\u2019s denn hier zur Familie?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWo geht\u2019s denn hier zur Chefetage?\u201c \u201eWo geht\u2018s denn hier zur Chefetage?\u201c Ich \u00fcbe diesen Satz schon seit Jahrzehnten. Ich bin bem\u00fcht, ihn mit einer selbstsicheren Betonung und mit einem souver\u00e4n wirkenden Auftreten auszusprechen. Ich will ja eine zeitgem\u00e4\u00dfe Frau sein. Ich \u00fcbe vor dem Spiegel. 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