{"id":546,"date":"2014-10-22T09:17:35","date_gmt":"2014-10-22T07:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inge-schlueter.de\/?p=546"},"modified":"2014-10-31T19:50:07","modified_gmt":"2014-10-31T17:50:07","slug":"meine-aktuelle-kolumne-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.inge-schlueter.de\/?p=546","title":{"rendered":"Gibt es eine Verpflichtung zum Leben?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Gibt es eine Verpflichtung zum Leben?<\/span><\/p>\n<p>Die Meinungen zum Thema \u201eSterbehilfe\u201c gehen weit auseinander. Auch wenn es dazu in vielen L\u00e4ndern der Welt inzwischen Positionen und Gesetze gibt, so bleiben die kontroversen Diskussionen zu dem Thema nicht aus. Wenn man sich ein wenig mit der Thematik und mit der damit verbundenen Problematik befasst, dann spricht man nicht mehr nur von Sterbehilfe, sondern grob gesehen von drei Varianten: die aktive, die passive und die indirekte Sterbehilfe.<\/p>\n<p>Am umstrittensten ist die aktive Sterbehilfe, die das gezielte Herbeif\u00fchren des Todes durch Handeln aufgrund des Wunsches einer Person meint. Im Jahre 2001 lie\u00df die Niederlande als erstes Land der Welt diese zu; in vielen anderen L\u00e4ndern ist sie verboten und wird sogar gleichgesetzt mit fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung oder Mord.<\/p>\n<p>Ich recherchiere, was die Argumente der Gegner vom selbstbestimmten Sterben sind \u2013 und werde f\u00fcndig: Zum Beispiel sind es die vielen Erfahrungen von Psychologen und Seelsorgern, die sich einig sind, dass eine Mehrzahl der Menschen, die einen missgl\u00fcckten Suizid hinter sich haben, diesen oft bereuen und froh sind, dass er missgl\u00fcckte. Ein selbstbestimmtes Sterben k\u00f6nnte dieser Fehlentscheidung Vorschub leisten. Ein gutes Argument. Nur frage ich mich in dem Zusammenhang, wieso ist die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung, die einer aktiven Sterbehilfe sehr nahe kommen k\u00f6nnte, dann hierzulande erlaubt und straffrei?<\/p>\n<p>Gegner der aktiven Sterbehilfe beharren darauf, dass es sich dabei um Euthanasie handelt. Sie haben recht im Sinne der Wortbedeutung: Euthanasie ist ein Fremdwort, welches sich aus dem altgriechischen \u201esch\u00f6n\u201c, \u201egut\u201c und \u201eTod\u201c herleitet. Die Gegner ziehen aber einen direkten Vergleich zu dem im dritten Reich missbrauchten Begriff der Euthanasie, bei der es um systematisches Morden ging. Dieser Vergleich ist \u00e4u\u00dferst unangemessen, denn die Sterbehilfe bezieht sich auf Sterbewillige \u2013 und all die K\u00f6rperbehinderten, die geistig Minderbemittelten, die rassisch und sozial Unerw\u00fcnschten wollten nicht sterben!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben auch die christlichen Kirchen ihren Standpunkt: Das 5. Gebot verbietet es, zu t\u00f6ten und die Selbstt\u00f6tung, wie Saul oder Judas sie vornahmen, ist s\u00fcndhaft. Basta!<\/p>\n<p>Dabei kann ich mich auch an Religionsunterricht erinnern, in dem gelehrt wurde, dass das Sterben zum Leben geh\u00f6rt, dass es sch\u00f6n sei bei Gott im Himmel und dass das Sterben nicht das Ende ist, sondern ein neuer Anfang. Wieso ist dann die Sterbehilfe f\u00fcr einige so verwerflich, wenn es einem Menschen den unausweichlichen \u00dcbergang in dieses unbekannte Danach erleichtern kann?<\/p>\n<p>Gesetzlich verankert ist der Schutz von Leben \u2013 und das ist auch gut so! Aber sind wir deshalb auch verpflichtet zum Leben? Selbst wenn ausschlie\u00dflich Maschinen dieses sogenannte Leben erm\u00f6glichen w\u00fcrden und auch wenn die Mittel der \u00fcberaus wichtigen Palliativmedizin die Schmerzen nicht v\u00f6llig nehmen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich steht fest: Sterbehilfe, ob passiv, aktiv oder indirekt kann ein Beistand f\u00fcr die Entscheidung eines Sterbewilligen sein und sollte so selbstverst\u00e4ndlich sein d\u00fcrfen wie die Geburtshilfe, die auch eingreift, wenn es auf nat\u00fcrliche Weise nicht m\u00f6glich ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine Verpflichtung zum Leben? Die Meinungen zum Thema \u201eSterbehilfe\u201c gehen weit auseinander. Auch wenn es dazu in vielen L\u00e4ndern der Welt inzwischen Positionen und Gesetze gibt, so bleiben die kontroversen Diskussionen zu dem Thema nicht aus. 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