#Lebensretter

# Lebensretter

Eine unaufschiebbare Information möchte ich Ihnen anvertrauen: Ich bin Lebensretter!

Ich höre förmlich Ihren Applaus einhergehend mit der bedenkenschwangeren Frage: Wie – um alles in der Welt – hat Frau Schlüter das geschafft? Die Antwort duldet keinen Aufschub, weswegen ich unverzüglich den Wind aus den Segeln nehmen möchte, bevor die wildesten Vorstellungen zu kleinen Kopfkinofilmen mutieren: Weder rettete ich aus der Ostsee einen entkräfteten Menschen vor dem Ertrinken, noch leistete ich spontane, lebensrettende Ersthilfe bei einem Verkehrsunfall auf der A1. Ebenso verhinderte ich kein Ersticken durch beherztes Einschreiten und ich zog auch keinen ohnmächtigen Tierpfleger aus dem Bärengehege. Ich holte nicht einmal eine Katze vom Baum!

Aber dennoch: Ich bin Lebensretter! Das sagt zumindest ein britisches Forscherteam aus einem College in London. Zugegeben, sie sind nicht ganz so klar und festgelegt in ihrer Formulierung wie ich, aber ich nenne das Kind gern beim Namen: Lebensretter! Besagtes Team analysierte in einem Fachmagazin die Todesfallzahlen durch das Coronavirus und kam zu dem Schluss, dass der sogenannte Lockdown mit samt seinen Schließungen und Einschränkungen dafür Sorge getragen hat, dass in elf europäischen Ländern bis Anfang Mai etwa 3,1 Millionen Todesfälle verhindert wurden. Das ist doch eine Nachricht wert! Über 3 Millionen Menschen dürfen weiterleben, weil die Vorgaben von Politikern, Wissenschaftlern und Rechtsberatern umgesetzt wurden. Natürlich nicht nur von mir – viele tun es mir gleich.

Genau genommen sind somit ein Großteil der Bevölkerung inzwischen Lebensretter. Ist das nicht wunderbar? Sie sind Lebensretter! Ja, auch Sie! Sicher wäre es greifbarer und leichter zu erklären, wenn wir den erschöpften, durchnässten und entkräfteten Menschen vor uns liegen hätten, wenn ein fürchterliches Unfallszenario unsere Heldentat umrahmen würde oder wenn unser Vorgehen vor Augenzeugen in dankbarer Menschenmenge eingebettet sein würde. Weit gefehlt! So ist es diesmal nicht. Es ist leiser, weniger aufsehenerregend, weder imposant noch filmreif und wahrscheinlich erhalten wir auch niemals ein Bundesverdienstkreuz dafür.

Aber dennoch: Wir sind Lebensretter! Einfach dadurch, dass wir die Kontaktsperren bisweilen schmerzlich ausgehalten haben; Dadurch, dass wir diesen lästigen Mund- und Nasenschutz beim Einkaufen tragen und auch dadurch, dass wir den gebotenen Abstand zu unseren Mitmenschen bestmöglich einhalten.

So gesehen sind wir doch mit Abstand 😉 die großartigsten Lebensretter und ich bin der Auffassung, dass wir uns darüber freuen und uns mal kräftig auf die Schulter klopfen dürfen. Als Dank, als Ansporn oder als Ermutigung!

# Lebensretter!

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