Johanna Spyri

12. Juni – unser Sendedatum im Jahr 2020. Keine Geringere als Johanna Spyri wurde an diesem Tag, allerdings viele Jahre zuvor, geboren. Und weil sich der Name Johanna Spyri bei Weitem nicht so festgesetzt hat, wie ihre weltbekannte Romanfigur, rutschte diese Autorin in unsere neue XXradio-Kategorie „Kalenderblatt“.

# Lebensretter

Es ist nicht gerade die beste Tugend, sich selbst zu erhöhen. Aber wenn ich plötzlich zur Kategorie „Lebensretter“ gehöre, ist das schon eine Nachricht wert, oder? Wie ich zu diesem Titel gekommen bin, hört ihr hier…

#Lebensretter

# Lebensretter

Eine unaufschiebbare Information möchte ich Ihnen anvertrauen: Ich bin Lebensretter!

Ich höre förmlich Ihren Applaus einhergehend mit der bedenkenschwangeren Frage: Wie – um alles in der Welt – hat Frau Schlüter das geschafft? Die Antwort duldet keinen Aufschub, weswegen ich unverzüglich den Wind aus den Segeln nehmen möchte, bevor die wildesten Vorstellungen zu kleinen Kopfkinofilmen mutieren: Weder rettete ich aus der Ostsee einen entkräfteten Menschen vor dem Ertrinken, noch leistete ich spontane, lebensrettende Ersthilfe bei einem Verkehrsunfall auf der A1. Ebenso verhinderte ich kein Ersticken durch beherztes Einschreiten und ich zog auch keinen ohnmächtigen Tierpfleger aus dem Bärengehege. Ich holte nicht einmal eine Katze vom Baum!

Aber dennoch: Ich bin Lebensretter! Das sagt zumindest ein britisches Forscherteam aus einem College in London. Zugegeben, sie sind nicht ganz so klar und festgelegt in ihrer Formulierung wie ich, aber ich nenne das Kind gern beim Namen: Lebensretter! Besagtes Team analysierte in einem Fachmagazin die Todesfallzahlen durch das Coronavirus und kam zu dem Schluss, dass der sogenannte Lockdown mit samt seinen Schließungen und Einschränkungen dafür Sorge getragen hat, dass in elf europäischen Ländern bis Anfang Mai etwa 3,1 Millionen Todesfälle verhindert wurden. Das ist doch eine Nachricht wert! Über 3 Millionen Menschen dürfen weiterleben, weil die Vorgaben von Politikern, Wissenschaftlern und Rechtsberatern umgesetzt wurden. Natürlich nicht nur von mir – viele tun es mir gleich.

Genau genommen sind somit ein Großteil der Bevölkerung inzwischen Lebensretter. Ist das nicht wunderbar? Sie sind Lebensretter! Ja, auch Sie! Sicher wäre es greifbarer und leichter zu erklären, wenn wir den erschöpften, durchnässten und entkräfteten Menschen vor uns liegen hätten, wenn ein fürchterliches Unfallszenario unsere Heldentat umrahmen würde oder wenn unser Vorgehen vor Augenzeugen in dankbarer Menschenmenge eingebettet sein würde. Weit gefehlt! So ist es diesmal nicht. Es ist leiser, weniger aufsehenerregend, weder imposant noch filmreif und wahrscheinlich erhalten wir auch niemals ein Bundesverdienstkreuz dafür.

Aber dennoch: Wir sind Lebensretter! Einfach dadurch, dass wir die Kontaktsperren bisweilen schmerzlich ausgehalten haben; Dadurch, dass wir diesen lästigen Mund- und Nasenschutz beim Einkaufen tragen und auch dadurch, dass wir den gebotenen Abstand zu unseren Mitmenschen bestmöglich einhalten.

So gesehen sind wir doch mit Abstand 😉 die großartigsten Lebensretter und ich bin der Auffassung, dass wir uns darüber freuen und uns mal kräftig auf die Schulter klopfen dürfen. Als Dank, als Ansporn oder als Ermutigung!

# Lebensretter!

Henry Dunant

8. Mai – ein gutes Datum. Nicht nur, weil der 2. Weltkrieg sein Ende fand, sondern auch, weil es Futter gibt für unser „Kalenderblatt“ bei XXradio…

Alles ist mega!

Ja, ich mache mal was ganz verrücktes: Ich nehme eine Kolumne auf, die definitiv keinen Bezug zur Corona-Pandemie hat. In dieser manchmal monothematischen Zeit eher untypisch…

Joseph Pulitzer

Für unsere XXradio-Sendung am 10. April ’20 habe ich unser „Kalenderblatt“ gestaltet. Dabei habe ich mich für Joseph Pulitzer entschieden, der an einem 10. April – zwar viiiiiiiiele Jahre zuvor – geboren wurde…

Jede Krise ist auch eine Chance

…oder habe ich vielleicht nur „gut reden“, weil ich nicht zu den wirklich Betroffenen und Gebeutelten gehöre? Mag sein. Jedoch ist es auch mein Naturell, positiv in die Welt zu blicken…

Jede Krise ist auch eine Chance

Jede Krise ist auch eine Chance

Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Ehekrise. So begann einer meiner Kolumnen, die ich vor ca. vier Jahren verfasste. Heute erweitere ich besagte Glosse um das Wort Coronakrise. Damals wie heute störe ich mich in den genannten Wortzusammensetzungen am Wort „Krise“, denn hierzulande scheint mir die Krise einseitig und zwar negativ konnotiert. Gemeinhin setzen viele Menschen die Krise gleich mit Chaos, Sackgasse, Katastrophe, Ausweglosigkeit oder Tiefpunkt.

Dabei wissen wir doch, dass Worte unsere Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen. Deswegen bemühe ich mich sehr, von einer Situation oder einer Gegebenheit zu sprechen anstatt von einer Krise. Weltwirtschaftssituation, Flüchtlingssituation und nun eben die Coronasituation. Merken Sie es auch? Schon verlieren die Worte an desaströser Ausweglosigkeit. Ein Dinosaurier wird zum Frosch, ein Mammutbaum zum Grashalm, ein Großbrand zum Räucherstäbchen!

Ich will damit keinesfalls die Lage schönreden oder gar verharmlosen. Mitnichten! Was das Coronavirus mit sich bringt ist überwiegend tragisch und traurig.

Aber dennoch – Sie merken, meine Beharrlichkeit kennt keinen Sicherheitsabstand – lade ich dazu ein, sich positiver oder zumindest neutraler Wortzusammensetzungen zu bedienen. Mir persönlich tut es gut, meiner Schockstarre und meiner derzeit eher monothematischen Bewegung durch den Alltag bzw durch das, was davon übrig ist, durch bewusstes Weglassen negativer Worte entgegenzuwirken.

Und wenn Sie das Wort „Krise“ auch nach mehrmaligen Händewaschen nicht von sich gelöst bekommen, dann machen Sie sich bitte folgendes bewusst: Unsere Krise hat ihren Wortursprung im griechischen „krisis“. Das wiederum steht für Entscheidung oder entscheidende Wendung. Es wird deutlich, dass es sich sprachlich um keine Sackgasse handelt, sondern um einen chancenreichen Prozess, der immer einen Wendepunkt beinhaltet.

Und auch wenn die Chinesen scheinbar die neuartige Atemwegserkrankung COVID-19 in die Welt getragen haben – das war gewiss keine Absicht von denen – so sind es auch die Chinesen, die mit einem wunderbaren zusammengesetzten Schriftzeichen das Wort Krise veranschaulichen. Sie kombinieren dafür nämlich „Gefahr“ und „Gelegenheit“. Auch sie verdeutlichen, dass eine Krise immer das Element der Wende zum Guten enthält.

Wenn wir es schaffen, die positiven, kräftigen Bestandteile einer Krise zu verinnerlichen, mache ich mir keine Sorgen, dass wir die Zeit gut überstehen.

Jede Krise ist auch eine Chance – das ist keine neue, kluge Entdeckung meinerseits. Ich nutze diesen wahren Satz nur beharrlich für meinen Willen, Viren zu inaktivieren und gleichzeitig Kraftreserven und Zuversicht zu aktivieren!

Corona und das Toilettenpapier

Corona und das Toilettenpapier

Nein, ich halte mich weder für panisch noch übernervös und ich neige auch nicht zur Hysterie. Ich lege einfach nur aus dem Grund eine Packung meines Lieblings-Toilettenpapiers in den Einkaufskorb, weil es bei mir zu Hause im Zuge der alltäglichen Verwendung aufgebraucht ist. Mehr nicht.

Die Medien aber sorgen dieser Tage dafür, dass das Kaufen von Konserven, Streichhölzern und eben Toilettenpapier kaum mehr unkommentiert vonstattengehen kann.

„Na, Angst vor dem Coronavirus?“ muss ich mir dann beim Griff zum besagten Säuberungsutensil anhören. Jemand anderes raunt seiner Begleitung zu: „Hamsterkauf!“

Nur weil ich als Alleinlebende trotzdem das Paket mit 8 Rollen nehme, hamstere ich noch lange nicht! Dafür beginne ich am Warenregal ernsthaft, mir zu überlegen, ob ich nicht auf das Toilettenpapier verzichten könnte. Nur für die nächsten Wochen bis sich wieder alles beruhigt und normalisiert hat. Ich könnte Papiertaschentücher nehmen oder die Küchenrolle? Ich hab auch noch alte Tapetenreste und Geschenkpapier liegen und ein paar Altkleider warten eh auf Entsorgung. Ob sich Backpapier eignet? Ich könnte für ein paar Wochen meine Katzen als Vorbild nehmen oder es wie Teile der indischen Bevölkerung machen: raus aufs Feld. Ach nein, das ist alles keine gute Alternative. Weder für das Abwasserleitungssystem noch für meinen Reinlichkeitsanspruch und schon gar nicht für meinen Po!

Kapitulierend greife ich dann doch zum Toilettenpapier. Fast heimlich und peinlich berührt.

Am Laufband verwickelt mich der Kassierer unaufgefordert in ein Corona-Gespräch. Rhetorisch geübt natürlich voller Verständnis für mein vorsorgliches Verhalten. Hallo? Geht’s noch? Ich kaufe einfach nur ein. Und neben dem Toilettenpapier liegen weitere Dinge auf dem Laufband, die es wert sind, geachtet zu werden! Möhren, Süßigkeiten, Joghurt oder Schafskäse. Aber all diese Dinge fristen derzeit ein kümmerliches Dasein fernab jeglicher Beachtung und Erwähnung.

Es fällt mir schwer, meinem Wunsch nach einem Löschhubschrauber, der einfach nur Beruhigungstee über den Planeten Erde versprüht, zu unterdrücken. Gleichzeitig, ich bestehe darauf, gehöre ich nicht zu der Menschengruppe, die jedwede Gefährdung kleinredet oder gar –  wie ein gewisser schlecht frisierter US Amerikaner den Klimawandel – leugnet.

Aber ein bisschen froh bin ich dann doch, als ich weitgehend unbeobachtet mein Toilettenpapier im Kofferraum des Autos verstaut habe. Ich gebe zu: Toilettenpapier verursacht derzeit bei mir mehr Kaufscham als Kondome und Inkontinenzeinlagen von Tena-Lady sie hervorrufen könnten.

Inköpen um Mitternacht – plattdeutsches Theater

Für eine plattdeutsche Redaktion des Offenen Kanal Lübeck und nicht zuletzt aus Gründen der Eigenwerbung 😉 habe ich einen Beitrag zu dem Theaterstück gebaut, bei dem ich zu Beginn des Jahres 2020 mitspielte. Leider spielten wir letztendlich nur an einem von zwei Wochenenden, weil das Coronavirus auch uns einen Strich durch die Rechnung machte…