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Meine aktuelle Kolumne

Einen Sack voll Kommas

Wer schriftlich kommuniziert wird zuweilen Zeuge von einem sehr ungleichen Gebrauch von Kommas oder auch Kommata. Manch einem sind diese geschwungenen Striche, mit dem Satzteile oder auch Sätze voneinander getrennt werden, scheinbar lästig. Sie fahren die Benutzung auf ein Minimum zurück, ernennen den Gebrauch dieser Beistriche als Energieverschwendung, als spießig oder schlichtweg als überflüssig. Diesen Menschen schenke ich nicht selten einen imaginären Sack voll Kommas. Denn diese winzigen Linien in Schräglage, die Kommas, sind an Sinnhaftigkeit kaum zu übertreffen. Auf Schlag fallen mir vier gute Gründe ein, diese harmlosen Satzzeichen zu gebrauchen. 1. Sie erleichtern die Lesbarkeit eines Textes ungemein. 2. Sie räumen dem Leser ab und dann, gerade in einem mehrfach verschachtelten Satz, kleine Atempausen ein. 3. Das Zu-Papier-bringen dieses Satzzeichens ist im Vergleich zum Kaufmanns-Und, dem Klammeraffen oder dem Britischen Pfund-Zeichen enorm einfach. Und 4. lassen sich Texte ohne Kommas, mit falsch gesetzten oder zu viel oder zu wenig gesetzten Kommas, inhaltlich nur schwer erfassen. Der Sinn, die Logik, ja die Message geht verloren. Und wenn die Aussage nicht verloren geht, dann wird sie zumindest völlig verdreht. Das kann weitreichende Folgen haben, die im Nachhinein nur schwer zu korrigieren sind. Nehmen wir zum Beispiel diesen Satz: Frauen denken, (Komma!) Männer sind ohne sie nichts! Wer hier mit Kommas unökonomisch oder leichtfertig umgeht, der stellt die These in den Raum: Frauen, (Komma!) denken Männer, (Komma!) sind ohne sie nichts. Hoppla! Finde den Fehler!

Das ist nur eines von vielen Beispielen, wie ein kleiner, zart geschwungener Federzug, ursächlich für die großen Irrtümer dieser Welt sein kann.

Das wollen wir doch alle nicht!

Drum halten Sie den erdachten Sack voll Kommas fest in Ihren Händen, üben Sie einen sensiblen und zielorientierten Umgang mit den Kommas. Als kleine Übungseinheit schlage ich folgendes vor: Wenn Sie mal wieder einen Abend très romantique mit Ihrem oder Ihrer Liebsten verbringen wollen, dann schreiben Sie einen kleinen Liebesbrief, auf dem steht: Du hast den schönsten Hintern weit und breit. Wenn Sie allerdings mal wieder für eine Zeit lang allein sein möchten und Abstand brauchen, dann nehmen Sie ein kleines, unschuldiges Komma und platzieren es wie folgt: Du hast den schönsten Hintern, (Komma!) weit und breit!

(Anmerkung der Autorin: Für die Kommasetzung in dieser Kolumne erhebe ich nicht den Anspruch auf absolute Korrektheit)

Einen Sack voll Kommas

Kennen Sie das? Sie erhalten einen Text per Mail, per WhatsApp oder als geschriebenen Brief. Schnell merken Sie, dass die Lesbarkeit dieses Textes erschwert ist. Dafür kann nicht nur eine ausgeprägte Sauklaue ursächlich sein, sondern auch Kommas: zu wenige, zu viele oder falsch gesetzte!

Was das auslösen kann, ist hier zu hören…