Herzlich Willkommen und Moin Moin

 

Herzlich Willkommen und Moin Moin auf meiner Homepage. Was auch immer der Grund ist, wer auch immer dazu gedrängelt hat: Schön, dass ihr jetzt hier seid!

Was liegt sonst an?

Ich bin in den Anfängen zu meinem „Zwillingsbuch“.  Wenn ihr also ein Zwilling seid, einen Zwilling zum Freund habt, einen Zwilling als Bruder oder Schwester, oder oder oder und ihr euch vorstellen könnt, über eure Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu reden, dann kontaktiert mich gern. PS: Gemeint ist natürlich nicht das Sternzeichen Zwilling! 😉

Wir, die Radioredaktion XXradio, werden in diesem Jahr wieder eine lange Frauen-Radio-Nacht veranstalten. Sie wird am 1. Juli 2016 im Offenen Kanal Lübeck stattfinden. Dazu laden wir Frauen aus Verbänden, Vereinen oder auch völlig private Frauen, die etwas Interessantes zu berichten haben, ein! Wir freuen uns sehr auf den Abend, denn schon unsere erste lange Frauen-Radio-Nacht im Jahr 2014 hat mit vielen interessanten Interviews eine Menge Freude bereitet.

Dann befindet sich mein drittes Informitzig-Buch in der Korrektur. Ich freue mich, dass wieder ausreichend Kolumnen für ein weiteres, informitziges Lesevergnügen zusammengekommen sind. Ich denke, dass ich es zum diesjährigen Autorentag am Tankumsee am 28.8.2016 druckfrisch dabei haben werde.

Nun wünsche ich viel Spaß beim Stöbern und beim Lesen. Ich lade euch herzlich ein, euren „Senf dazuzugeben“, wenn sich bei irgendwelchen Sätzen ein „spinnt die“ oder ein „recht hat sie“ in euch breit macht!

Eure Inge Schlüter

 

Meine aktuelle Kolumne

Unzufrieden? Ist doch alles im „Flow“!

Vorsicht! Diese Kolumne ist scharfzüngig – aber manchmal gehen die Gedanken einfach mit mir durch. Und außerdem: Übertreibungen verdeutlichen.

Laut einer Studie der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF ist jedes siebte Kind unzufrieden. Wie kann das hierzulande angehen?

Viele Elternteile wollen daraufhin ihre Kinder persönlich befragen und – sobald sie Zeit haben – werden sie das auch tun.

Zuerst aber müssen Mutter und Vater zur Arbeit – so funktioniert diese Gesellschaft derzeit. Das suggeriert zumindest die Politik. Kind und Job – kein Problem!
Und da man als Teil der Gesellschaft nicht aus dem Rahmen fallen möchte, macht man sich auf den Weg. Außerdem muss der gewünschte Lebensstandard, der zu einer gewaltigen „La Ola“ einlädt, bezahlt werden: Das Einfamilienhaus steht im Grünen, im Carport der Familienwagen und der Zweitwagen zum Einkaufen. Die Spielwiese der Kinder gleicht einem Freizeitpark und in den Sommer- und Herbstferien geht es für zwei Wochen mit einem Stapel Bücher an einen Pool irgendwo in Antalya.

Seitdem die Mutter auch einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, ist genug Geld für den Rechtsbeistand beim Einklagen der zweistelligen Klausurpunktzahl vorhanden. Immerhin wollen die Eltern natürlich nur das Beste für ihr Kind – wobei manchen Eltern abhandengekommen ist, dass das Beste nicht immer etwas mit einem hohen Schulabschluss zu tun hat.

Feierabend – jetzt wäre Zeit, das Kind auf das Umfrageergebnis der UNICEF anzusprechen. Aber genau jetzt mögen sie es nicht stören, denn der Sprössling ist gerade dabei, enorme Erfolge bei „World of Warcraft“ zu erzielen. Das macht die Eltern stolz, denn das PC-Spiel ist für Kinder ab zwölf Jahren geeignet und ihr Wunderkind ist erst acht! Von wegen: Verantwortung abgegeben – nein – sie sind der Meinung, dass es sich bei PC-Spielen so harmlos wie bei Kleidungsstücken verhält: Da wächst das Kind rein!

Am Wochenende – dann werden sie das Kind fragen. Ganz bestimmt! Zumindest nachdem sie ihrem 450-Euro-Job nachgegangen sind. Der sorgt dafür, dass die vielen materiellen Notwendigkeiten, die das Kind aus Elternsicht braucht, und die gleichzeitig das schlechte Gewissen der Eltern ein wenig ausgleichen, bezahlt werden können.

Am Sonntagabend bliebe Zeit, das Kind nach seinem Befinden zu fragen. Aber ehrlich gesagt sind die Eltern nach dem Checken der E-Mails, dem Beobachten der Ebay-Auktionen und dem Online-Shopping irgendwie auch k.o. und brauchen verständlicherweise dringend mal Zeit für sich, bevor eine neue Woche mit ihren hohen Anforderungen beginnt.

Während das Kind seinem Tagebuch anvertraut, wie sehr es sich nach dem nächsten liebevollen Blickkontakt zu seinen Eltern sehnt, kommen diese zur Überzeugung, dass ihr Kind mit Sicherheit nicht zu den unzufriedenen gehört. Es hat doch alles!

…bis auf gemeinsame Zeit mit entspannten Eltern.

 

 

Das erlebnisreichste Ausflugsziel

Das erlebnisreichste Ausflugsziel

Die Zeitungen sind voll davon: Ausflugsziele, soweit das Auge reicht! Besonders an Wochenenden, die durch Feiertage noch länger sind als herkömmliche, werden wir angehalten, unserer Erlebnisfreude – oder ist es inzwischen Erlebniszwang? – nachzugehen: bunten Paraden zuwinken; jemandem beim Handwerken über die Schulter schauen; kulinarische Köstlichkeiten verspeisen; hier ein wenig streicheln und füttern, dort besichtigen und bestaunen, woanders ausprobieren und erkunden. In Hülle und Fülle eine Auswahl an attraktiven Möglichkeiten.

Für jede Gemütslage, jede Vorliebe und für jedes Interessenfeld scheint mindestens ein Angebot erreichbar zu sein. Das freut einen Großteil der Menschen und aus den unterschiedlichsten Gründen machen sie sich auf den Weg und ziehen umher.

Es gibt aber auch eine Menschengruppe, die sich für keine der verfügbaren Sensationen begeistern kann. Diese besagte Menschengruppe zieht es vor, sich dem kaum beworbenen erlebnisreichsten aller Ausflugsziele zu widmen. Zugegeben: es ist wirklich nur etwas für „Hartgesottene“. Für Menschen, die sich furchtlos nüchternen Tatsachen stellen und die vor nichts zurückschrecken. Sozusagen die „Crocodile-Dundees“ Schleswig-Holsteins! Kühn, mutig und entschlossen entscheiden sie sich, diesem vernachlässigten Spektakulum zu frönen. Bereit – oder treffender gesagt reif – für etwas völlig Verrücktes: Sie bleiben zu Hause!

Ja, sie trauen sich!  Keine Flucht vor dem, was sie „Mein Zuhause“ nennen; kein Verdrängen unausgesprochener Beziehungsdiskrepanzen; keine Vergeudung kostbarer Zeit durch Autofahrten oder Warteschlangen; keine Angst vor der Begegnung mit sich selbst; unerschrocken das „Um-mich-herum-passiert-gerade-nichts-vermeintlich-aufregendes“ aushalten; mal „runterkommen“, Ruhe und Sensationslosigkeit genießen!

Dieser Herausforderung scheinen nur wenige bewusste – oder doch langweilige oder finanzschwache? – Menschen gewachsen zu sein, aber ich deutete ja bereits an: Das erlebnisreichste Ausflugsziel – das eigene Zuhause – ist wirklich nichts für Weicheier!

 

Der überhebliche Mensch

Der überhebliche Mensch

Nicht unüblich ist es, dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Philosophie- oder Religionsunterrichtes sich mit der Frage beschäftigen, wie Gott zulassen kann, dass Menschen durch zum Beispiel Naturkatastrophen zu Tode kommen. Genau der Gott, von dem doch eigentlich nur Gutes ausgehen soll. Der Gott, der sich mühevoll sechs Tage abgeplagt haben soll, um die Welt, also auch uns Menschen, zu erschaffen bevor er dann am siebten Tag nach getaner Arbeit zufrieden die Beine hoch legte. Wie kann er so ein Unglück zulassen?

Für mich wird in dieser Frage eine kaum zu überbietende Überheblichkeit des Menschen deutlich. Bilden wir uns tatsächlich ein, dass wir über allem stehen? Dass Menschen es am meisten wert sind, geschützt und behütet zu werden?

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass – wer oder was auch immer – der Natur in gewissen Abständen erlaubt, mal so richtig „Halligalli“ zu machen; Ihr zugesteht, sich einen feuchten Kehricht um das zu kümmern, was die Menschen von ihr erwarten; Sie ermutigt, sich in vollem Umfang auszutoben! Ohne Rücksicht, dafür mit ausgeprägtem Blick auf die eigenen Interessen – genauso, wie es der Mensch zu handhaben pflegt. Denn das – laut Duden – „höchstentwickelte Lebewesen mit der Fähigkeit ausgestattet zu logischem Denken, zur Sprache, zur sittlichen Entscheidung und Erkenntnis von Gut und Böse“ zieht aus der Natur hochmütig Nutzen, aus dem stellenweise schon längst ein Ausnutzen geworden ist.

Zurück zum Schulunterricht: Vielleicht sind die besagten Katastrophen keine Strafen für Menschen, sondern vielmehr großzügige Geschenke an die Natur? Der Wind, der sich mal so richtig aufblasen darf, verabredet sich mit dem Regen, der pausenlos prasselt, zum Spielen und sie toben sich hemmungslos aus und rollen dabei mit kindlicher Naivität über bewohnte und unbewohnte Gebiete.

Die korrekte Frage scheint mir nicht: Wie kann Gott das zulassen? Sondern sie könnte lauten: Wieso sollte – wer oder was auch immer – das nicht zulassen, nachdem wir bereits mit der sogenannten Intelligenz nobel beschenkt worden sind, und unsere Bedürfnisse teilweise auf Kosten der Natur befriedigen?

 

Verwöhnprogramm oder Beitrag für eine faire Arbeitswelt?

Verwöhnprogramm oder Beitrag für eine faire Arbeitswelt?

Einige unserer Politiker haben einen Vorschlag gemacht, der besonders die Interessen vieler Arbeitnehmer bedient: Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Wochenendtag, so soll dieser in der Woche sozusagen als arbeitsfreier Ausgleich nachgeholt werden dürfen.

Aus meiner Sicht wird mit einer Kompensationsregelung der Gedanke genährt, dass gesetzliche Feiertage Urlaubstage darstellen. Tun sie aber nicht! Feiertage sind Erinnerungs- oder Gedenktage, deren Ursprung in der Religion oder in der Politik verankert ist.

Nichtsdestotrotz ist es weit verbreitet, dass Arbeitnehmer an einem Feiertag nicht in erster Linie die Bedeutung feiern, sondern vielmehr einen weiteren arbeitsfreien Tag, der zum Durchatmen einlädt – vorausgesetzt, man arbeitet in keiner Branche, die die Durchatmenden bedienen muss.

Es wäre gelogen, wenn ich selbst zum Beispiel an einem 1. Mai mehr an Gewerkschaften denke, als an ein ausgedehntes Frühstück am späten Vormittag.

Die Tatsache, dass es weltweit circa 80 Länder geben soll, die ihre Feiertage nachholen, reicht mir persönlich nicht, um eine Neuregelung hierzulande zu rechtfertigen.

Dafür finde ich eine ganz andere Form der Neuerung interessant: Was wäre denn, wenn wir zumindest alle religiösen Feiertage als gesetzliche Feiertage streichen und parallel dazu den Urlaubsanspruch erhöhen? So hätte jeder einzelne die Möglichkeit, Feiertage, die seiner Religion entsprungen sind, nachgehen zu können.

Zurück zur vorgeschlagenen Neuregelung.

So, wie es ist, scheint es mir für beide Seiten gerecht: Mal profitiert der Arbeitgeber, mal der Arbeitnehmer. Vielmehr scheint mir die Diskussion darüber eine gute Gelegenheit, das wirkliche Bedürfnis nach arbeitsfreien Tagen unter die Lupe zu nehmen. Ein nachgeholter „1.Mai“ oder ein verschobenes „Neujahr“ werden die immer höheren, teilweise unmenschlichen Anforderungen in der gehetzten Arbeitswelt nicht kompensieren. Solange die Produktions-, Absatz- oder Umsatzsteigerung mit der Senkung der Personalkosten einhergehen, scheint mir in der Arbeitswelt etwas grundlegend verkehrt zu laufen. Auch teile ich die Auffassung, dass wir damit dem Krankheitsbild des Burn-Outs reichlich Futter geben. Meine Verwunderung darüber, dass Feiertage vermehrt als rettende Verschnaufpause herbeigesehnt werden, anstatt sich gedankenvoll und bewusst des Ursprungs zu erinnern, hält sich wirklich in Grenzen.

Ich wage zu behaupten, dass mit gesundheitserhaltenden Arbeitsbedingungen vielen Menschen mehr geholfen wäre, als mit vereinzelten Ausgleichstagen von gesetzlichen Feiertagen.

Nicht der Rede wert

Nicht der Rede wert

Einmal im Leben wünscht sich der eine oder andere Autor einen vergleichbaren Hype um eines seiner Bücher, wie es in diesen Tagen um die kommentierte Neuauflage des Buches „Mein Kampf“ von Adolf Hitler passiert. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass das Münchener Institut für Zeitgeschichte, welches das Buch im Eigenverlag herausbringt, selbst die kontroversen Diskussionen schürt, weil sie um die Werbewirksamkeit einer solchen wissen.

Wir machen uns doch nicht ernsthaft Sorgen um die Folgen einer Veröffentlichung dieser kritisch überarbeiteten Auflage? Sorgen um die Folgen der Veröffentlichung von gedruckten Texten, die es bereits jahrzehntelang im Internet zu lesen gibt? Sorgen um eine veröffentlichte kommentierte Ausgabe von schriftlichen Ergüssen, die der „Beschäftigungstherapie“ eines 1924 Inhaftierten entsprangen?

Bei allem Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus und den Gefühlen der Hinterbliebenen, aber aus meiner Sicht wird die gegenwärtige Macht dieses Buches maßlos überschätzt. Es ist „das Schnacken nicht wert“!

Wenn wir tatsächlich in der Konfrontation mit dem Buchinhalt für unsere heranwachsende Gesellschaft eine Gefahr zu erkennen glauben, dann sollten wir uns bewusst machen, was wir ihnen eh schon an Zweifelhaftem bieten:

Die Rede ist zum Beispiel von sogenannten Killerspielen oder von Bestsellern mit pornografischen Inhalt. Auch tragen bestialische Morde, trivialer Blödsinn und peinliche Selbstdarstellungen in der Film- und TV-Welt zur Unterhaltung bei und entrüsten kaum mehr. Propagandavideos radikaler religiöser und politischer Gruppierungen kursieren im Internet. So scheußlich sich das auch liest, aber genau da stehen wir heute! Nicht ausschließlich – aber auch!

Junge Erwachsene entwickeln sich trotz Konfrontation mit den aufgezählten Möglichkeiten nicht zu gewalttätigen oder empathielosen Mitmenschen. Nein – auch sie bedauern den plattgefahrenen Igel auf der Straße!

Denn unabhängig davon, was virtuell oder literarisch konsumiert wird, entscheiden das soziale Miteinander und die Wertevermittlung durch Vorleben darüber, ob jemand real zu Gewaltanwendungen neigen wird oder nicht.

Und genau da dürfen wir meiner Meinung nach nicht nachlässig werden.

Auf diese Erkenntnis vertrauend, können wir nun endlich die Diskussion über Unheil bringende Folgen der Neuveröffentlichung des oben genannten Buches – wie hieß es noch gleich? – beenden.

Schwerhörig? Vergesslich?

Schwerhörig? Vergesslich?

Kennen Sie das? Ein heranwachsendes, geliebtes Menschlein in Ihrer näheren Umgebung will Ihnen weismachen, dass Sie schlecht hören und sowieso irgendwie tüddelig und vergesslich wirken! Ich habe das Gefühl, dass derartige Diagnosen vermehrt an mich herangetragen werden. Nun bleiben mir mindestens zwei Möglichkeiten: Verunsichert gehe ich zu meinem Hausarzt und lasse mich „durchchecken“, um ein eventuelles körperliches Defizit in Ohr- oder Gehirnnähe frühzeitig zu erkennen, um dagegen etwas zu tun oder bestenfalls um etwaige Lädierungen ganz auszuschließen. Ich habe mich entschlossen diese Möglichkeit noch ein paar Jährchen aufzuschieben und entscheide mich vorerst für die zweite, die offensive, argumentationslastige Variante, mit der ich solch vorschnellen Diagnosen von Heranwachsenden dann und wann entgegne.

Diese Option hört sich in etwa so an: „Liebes Kind! Ich hätte dich verstanden, wenn du in der Lage wärst, beim Kommunizieren deinen Blick in meine Richtung zu wenden, damit deine Worte Kurs auf mich nehmen können! Ich dachte, du sprichst mit deinem Pullover oder mit dem Krümel auf dem Fußboden! Weiter ist es beim Reden, wenn dein Reden schon das Ziel haben soll, für mich verständlich zu sein, von Vorteil, die Zähne und Lippen auseinander zu nehmen. Laute formen sich nur sehr widerwillig beim Nichtbewegen des Mundes! Entschuldige – aber es war nicht einmal sichtbar, dass du etwas gesagt hast. Wie soll es dann hörbar sein? Und außerdem, geliebtes Kind: Ich bin nicht vergesslich, nur weil ich mir die gefühlten zehn, davon mindestens sieben ungewöhnlichen Nachnamen deiner Lehrkräfte inklusive der Fächer, die sie unterrichten, nicht merken kann, zumal dein Geschwisterkind mich mit ungefähr der gleichen Anzahl an Namen konfrontiert. Es wäre für mich auch ein Leichtes, mir zu merken, wer von euch sich wann, wo, mit wem zu welcher Uhrzeit treffen möchte, wenn ich nicht parallel dafür Sorge tragen müsste, dass der Kühlschrank voll, das Konto ausgeglichen, die Katze gefüttert, die Rechnung überwiesen, der Strom abgelesen, der Einkauf erledigt, das Geschenk besorgt, das Essen gekocht, das Fahrrad repariert, der Schnee geschippt und die Wäsche gewaschen ist. Glaube mir, liebes Kind, noch bin ich weder schwerhörig noch vergesslich. Ich bin einfach nur ein „stinknormaler“ liebender und beschäftigter Elternteil!

Weihnachtsgedanken

Weihnachtsgedanken

Und wieder werde ich wahrscheinlich an einem der Festtage in der Kirche sitzen und am sogenannten Gottesdienst teilnehmen. Dabei wird mein alljährliches Gedanken-Hin-und-Her wieder spürbar: Wenn nämlich der „Dienst an Gott“ der Grund meiner Anwesenheit sein soll, dann empfände ich mich quasi so deplatziert, wie der türkische Präsident Erdogan es auf einer Demonstration für Pressefreiheit sein würde.

Ich werde trotzdem auf einer der meist unbequemen, aber sehr schönen Kirchenbänke zu finden sein, die das sogenannte Gotteshaus schmücken. Gotteshaus, weil das Wort „Kirche“ aus dem griechischen „kyriake“ entstand und übersetzt „dem Herrn gehörend“ heißt. Aber das nur am Rande!

Während der Predigt werde ich vermutlich immer wieder Verbindungen zur jetzigen Zeit oder besser noch zu meinem Alltag aufspüren wollen. Das gelingt mir zunehmend besser. Wenn allerdings das Glaubensbekenntnis oder das Vaterunser übereinstimmend gebetet wird, bleibe ich still. Früher ließ ich mich aus einem Gemeinschaftsgedanken heraus, der mir durchaus gefällt, dazu verleiten, apostolisch das Bekenntnis mitzusprechen. Derzeit bringe ich es allerdings nicht über die Lippen. Ich würde mich selbst belügen, wenn ich sagen würde, dass ich an einen „allmächtigen Gott“ glaube. Während also die Menge um mich herum gemeinschaftlich ihren Glauben bekennt, beschäftige ich mich schweigend mit Fragen wie: Was mag aus Jesu Geschwistern geworden sein und wieso finden sie kaum Erwähnung? Ob es jemanden stört, dass ich anstatt an Gott an das Gute glaube? Darf ich überhaupt hier und jetzt in dieser Kirche an einem Gottesdienst teilnehmen, wenn für mich das Interessanteste und Schönste der Klang der Musik und die antike Bauweise dieses Gebäudes ist? Und was waren die Bauarbeiter, die das wundervolle Kirchenschiff geschaffen haben, wohl für Menschen?

Mich entspannt die Vorfreude auf gemeinsame, besinnliche Zeit mit mir lieben und wichtigen Menschen und ich vertraue darauf, dass Jesus tolerant und gütig war und kein Interesse daran zu haben schien, über Richtig und Falsch zu richten. Sind nicht dogmatische Bindungen und religiöse Vorgaben aus ungenauen Übersetzungen der Bibel oder aus früherer machtbesessener Überheblichkeit der Kirche entstanden, die mit Jesu Bescheidenheit kaum mehr etwas gemein hat?

Frohe Weihnachten!

NEIN kann auch JA bedeuten

NEIN kann auch JA bedeuten

Nach dem Hamburger NEIN zur Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2024 mag sich der eine oder andere Befürworter dieses sportlichen Großevents erhofft haben, dass ausschließlich Frauen abgestimmt haben, denn bei denen soll NEIN bekanntlich häufig JA bedeuten. So war es aber nicht! NEIN heißt in diesem Fall wirklich NEIN.

Wozu haben die Bürger denn nun NEIN gesagt? Zum einen mit Sicherheit zur wackligen, lückenhaften Kostenkalkulation. Als Hamburger kann man zu Recht seine Zweifel bekommen, wenn bereits ein anderes gigantisches Projekt mit veranschlagten 77 Millionen Euro real knapp 800 Millionen kostete. Da beruhigt auch kein Oberbürgermeister, der versichert haben soll, dass man „sich über das kleine Geld schon einig werde“ – die Rede soll von schlappen 6,2 Milliarden Euro gewesen sein.

Zum anderen wurde bestimmt auch NEIN gesagt zu gierigen Sportverbänden und Organisationen bis hin zu korrupten Einzelpersonen, die sich im Zuge derartiger Großveranstaltungen einmal mehr bereichern. Vielleicht sind es einige Menschen inzwischen auch einfach nur leid, von Sport zu sprechen, wo es kaum mehr nur um den Sport geht? Vielleicht vergeht auch langsam die Lust beim Zuschauen von Rekorde brechen und Medaillen zählen, wenn man Wochen später wegen aufgedeckter Dopingnachweise vieles wieder in Frage stellen muss?

Das NEIN mag auch eine Reaktion sein auf die derzeitige Flüchtlingssituation oder eine Folge der Terroranschläge. Wieso auch nicht? Aus meiner Sicht macht es die Olympiagegner deswegen nicht zu ängstlichen NEIN-Sagern, zu Duckmäusern oder rückgratlosen Nörglern. Vielmehr erkenne ich in diesem NEIN ein wichtiges JA! Nämlich das JA zum Wahrnehmen und Anerkennen, was derzeit offensichtlich vielen Menschen wichtiger erscheint, als uferlose Großveranstaltungen. Oder das JA zum Hinterfragen und Bewusstmachen von Prioritäten. Was spräche dagegen, wenn mit dem Umfrageergebnis Werte wie Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein in den Vordergrund rücken?

Grenzenlos vernachlässigt?

Grenzenlos vernachlässigt?

Grenzen, wenn sie aus Mauern und Stacheldraht bestehen, finde ich doof! Es sei denn, sie trennen mich von wilden, hungrigen Tieren!

Es gibt aber Bereiche, in denen meiner Meinung nach Grenzen für ein harmonisches Miteinander unerlässlich sind. Zum Beispiel im Zusammenleben von Eltern und Kindern unter einem Dach. Hier dienen Grenzen – nicht aus Stacheldraht – dem Schutz und sogar dem Sicherheitsgefühl des Kindes. Es gibt jedoch Eltern, die sich kaum mehr trauen oder kaum in der Lage zu sein scheinen, sogenannte Grenzen zu setzen. Woran mag das liegen?

Zum einen, vermute ich, dass manche Eltern sich über ihre eigenen, ganz persönlichen Grenzen gar nicht bewusst sind. Und zum anderen liegt es vielleicht auch daran, dass Eltern zu oft Konflikten mit ihren Kindern aus dem Weg gehen wollen, weil sie glauben, dadurch ihre grenzenlose Liebe zum Ausdruck zu bringen. Manchmal sind sie vielleicht auch einfach nur müde oder gedankenverloren. Oder beides?

Kurzfristig lässt sich mit der bequemen Grenzenlosigkeit sicherlich das eine oder andere lautstark weinende, wütend tobende oder aufmüpfig brüllende Kind zu einem scheinbar glücklichen und ach so unkomplizierten Sprössling umkehren.

Aber tun Eltern ihrem Nachwuchs damit nachhaltig einen Gefallen?

Die Entschlussunfähigkeit mancher Eltern und ihre mangelnde Konsequenz sind es, die bei Kindern eine gehörige Portion Unsicherheit auslösen können. Kinder brauchen das Selbstverständnis der Grenzen und den Umgang mit diesen. Und sie fordern die Möglichkeit ein, diesen Umgang zu lernen. Das sollten Eltern ihren Kindern nicht vorenthalten – auch wenn es aus meiner Erfahrung heraus sehr anstrengend sein kann. Je klarer, unmissverständlicher und doch liebevoll diese sogenannten Grenzen vorgegeben werden, desto schneller und leichter scheinen Kinder darin zu sein, diese auch gern für sich zu übernehmen. Aus der Konsequenz der Eltern kann für das Kind ganz viel Sicherheit und Geborgenheit entstehen – das hatte ich diverse Male im Hinterkopf, wenn das Grenzen setzen sich wiederholt als mühsam und strapaziös erwies. Und ehrlich gesagt, habe ich es auch jetzt noch im Hinterkopf, wenn ich wiedermal großzügig – man kann es auch bequem oder inkonsequent nennen – unsere vereinbarte „Nutella-Frühstücks-Regelung“ über den Haufen werfe!

Kurzum: Ich bin der Überzeugung, dass Grenzenlosigkeit in der Begleitung von Kindern auch eine Art Vernachlässigung ist – sozusagen grenzenlos vernachlässigt.

Je suis…wer oder was jetzt?

Je suis…wer oder was jetzt?

Hin- und hergerissen nehme ich mich und mein Umfeld nach dem wiederholt Unfassbaren wahr.

Traurig denke ich an mir völlig unbekannte Menschen in und um Paris, die nun mit dem brutalen Tod eines nahen Angehörigen weiterleben müssen. Gleichzeitig merke ich, wie mir viele Solidaritätsbekundungen, besonders die im weltweiten Netz, wie hohles „Weltgelaber“ erscheinen.

Ein Mausklick und man ist aktuell „Je suis Paris“, was übersetzt heißt: „Ich bin Paris!“. Die Schnelligkeit, mit der heutzutage Solidarität bekundet werden kann, kommt dem temporären Wunsch nach Zusammengehörigkeit und Gesinnungsgleichheit entgegen. Das freut mich für die Menschen, die das so brauchen. Ein Nachteil kann sein, dass durch den geringen Aufwand – ein Mausklick – eine Art unbedachtes Mitläufertum entsteht.

„Je suis Paris“ wird bekundet – zeitgleich erfahren Menschen, die genau wegen solcher in ihrer Heimat fast alltäglichen Ereignisse ihr Zuhause verlassen und in unserem Land Schutz suchen, auch Ablehnung.

„Je suis noch nie Syrien“ gewesen und je sius auch nicht Kongo oder Afghanistan. Wieso eigentlich nicht? Solidarität für Mitmenschen scheint einfach, solange sie nicht zu weit weg sind und solange die Grenze zu „meinem“ Land nicht überschritten wird!

Dazu kommt: Wenn der erste Schock vorüber sein wird, weicht die Solidarität nicht selten dem Kommerz und wir können Textilien und Taschen mit besagten Spruch kaufen. So war es zumindest bei „Je suis Charlie“.

„Je suis Paris“. Bin ich Paris? Kann ich Paris sein, ohne jemals dort gewesen zu sein und ohne Französisch sprechen zu können? Wenn ja, dann bin ich auch das nicht eingehaltene Integrationsversprechen, das dafür sorgt, dass zehn Jahre nach heftigsten Ausschreitungen in den Pariser Randzonen, den Banlieues, wörtlich übersetzt Bannmeilen, nach wie vor von Ausgrenzungen und Defiziten in vielen Bereichen betroffen sind.

Nein, ich für mich nehme Abstand von derart dargestellten Solidaritätsbekundungen, auch wenn mir dadurch ein Weg versperrt bleiben mag, meiner Traurigkeit, der Ohnmacht, der Angst und dem Entsetzen über die grausamen Ereignisse Ausdruck zu verleihen.