Herzlich Willkommen und Moin Moin

 

Herzlich Willkommen und Moin Moin auf meiner Homepage. Was auch immer der Grund ist, wer auch immer dazu gedrängelt hat: Schön, dass ihr jetzt hier seid!

Was liegt aktuell an?

Es ist soweit! Ich habe „meine eigene“ Musik für die vertonten Kolumnen und darf sie nun auch hier auf meiner Homepage veröffentlichen. Auf der rechten Seite ist mein neues Sammelsurium.
In „Informitziges für’s Ohr“ sind die vertonten Kolumnen versteckt. Viel Freude beim Hören!

Außerdem habe ich Interviews zu meinen Büchern „im Kasten“, die ich zeitnah aufbereiten möchte, um sie meinen Leserinnen/Lesern und Zuhörerinnen/Zuhörern hier anzubieten. In den Interviews geht es um Fragen rund um die Inhalte meiner Bücher und auch zu meiner Person als Autorin und begeisterte Radiomacherin. Interviewt hat mich die Autorin Susann Sontag. Im Gegenzug habe ich sie zu ihren Büchern aus der Selbstvertrauen-Reihe befragt. Da Susann immer ein bisschen schneller ist als ich, hat sie auch schon ein Gespräch veröffentlicht. Zum Hören – klick hier!

Ich führe immer mal wieder Gespräche zu meinem geplanten „Zwillingsbuch“.  Allein die Gespräche bereichern mich derart und lassen die Vorfreude auf das Realisieren des Buches stetig wachsen.
Wenn ihr also ein Zwilling seid, einen Zwilling zum Freund habt, einen Zwilling als Bruder oder Schwester, oder oder oder und ihr euch vorstellen könnt, über eure Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu reden, dann kontaktiert mich gern. PS: Gemeint ist natürlich nicht das Sternzeichen Zwilling! 😉

Dann befindet sich mein drittes Informitzig-Buch in der Korrektur. Ich freue mich, dass wieder ausreichend Kolumnen für ein weiteres, informitziges Lesevergnügen zusammengekommen sind. Ich denke, dass ich es zum diesjährigen Autorentag am Tankumsee am 28.8.2016 druckfrisch dabei haben werde.

Nun wünsche ich viel Spaß beim Stöbern und beim Lesen. Ich lade euch herzlich ein, euren „Senf dazuzugeben“, wenn sich bei irgendwelchen Sätzen ein „spinnt die“ oder ein „recht hat sie“ in euch breit macht!

Eure Inge Schlüter

 

Meine aktuelle Kolumne

„Hast du gar keine Angst?“

Eine in den letzten Wochen meines Rucksackurlaubes vermehrt an mich herangetragene Frage, ob ich denn keine Angst hätte, ist Auslöser, mich der Angst zu stellen – schriftlich.

Der Begriff „Angst“ soll sich aus dem indogermanischen „anghu“ = beengend und dem lateinischen „angustia“ = Enge oder Bedrängnis entwickelt haben.

Tatsächlich gibt es so viele Formen und Arten von Ängsten, dass einem angst und bange werden kann!

Das wiederum hat aus meiner Sicht auch damit zu tun, dass unsere sogenannte westliche Hochkultur die Angst – übrigens nicht nur die Angst – mit einem Tabu belegt und sie zu einer negativen Gefühlsregung erklärt. Dabei ist die Angst evolutionsgeschichtlich gesehen ein Warn- und Schutzimpuls, die in Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten auslöst. Im nicht krankhaften Maß ist die Angst unverzichtbare Grundausstattung für das Überleben.

Also lautete meine Antwort auf die Frage – je nach Stimmung – entweder: „Nee! Wovor?“ oder: „Doch, zum Glück habe ich Angst. Denn die sorgt dafür, dass ich meine Wanderschuhe und –socken nach dem Ausziehen nicht mit ins Zelt nehme und sie draußen stehen lasse, damit ich nicht an dem überaus miefigen Geruch ersticke!“ Spaß beiseite.

Eine Jemandin, mit der sich ein interessantes Gespräch über reale und irreale Gefahren und ihre Wahrscheinlichkeit ergab, hinterließ einen für mich großartigen Gedanken: „Auf der einen Seite gibt es den Einbrecher, der vielleicht – nur vielleicht, wahrscheinlich nie – einmal im Leben mein Haus aufsucht. Auf der anderen Seite gibt es die Angst vor diesem Einbrecher, die jeden Abend in meinem Kopf herumschwirrt, mich blockiert, bremst oder gar krank macht. Es liegt an mir, ob ich das zulasse!“

Dankbar stelle ich fest, dass auch ich mich derzeit ohne lähmende Ängste durch das Leben bewege.

…es sei denn sie hat acht Beine und ist größer als eine 1-Euro-Münze!

Glasfaser ist wie fließendes Wasser

 

Glasfaser ist wie fließendes Wasser

Ich komme vom Dorf. Damit meine ich, dass ich innerhalb einer überschaubaren Anballung von Häusern lebe, die geprägt ist von nicht vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten und schlechter Verkehrsanbindung. Punkten kann diese genussvolle Abgeschiedenheit dafür mit einem Überangebot an kostenlosen Parkplätzen, mit Landluft und bald auch – wenn es denn ein Großteil der Dorfbewohner befürwortet – mit der sogenannten Glasfasertechnologie. Mit der wird für mich Unfassbares –  wie zum Beispiel: In Timbuktu verfasste Texte erreichen mich ohne Brieftaube oder Postkutsche binnen weniger Augenblicke – noch schneller und somit irgendwie noch unfassbarer!

SuperHD, W-Lan, 100 Mbits Download, Fritz!Box und Co – kein Wunder, dass sich der eine oder andere Gemeindebewohner vorerst kaum angesprochen fühlt.

Auch den Werbeslogan „Mit Glasfaser die ganze Welt direkt vor eurer Tür“ halte ich für gewagt. Ist es nicht so, dass manche Menschen sich schon von einigen Syrern in der Nachbarschaft bedroht fühlen? Selbst das Wissen über Flüchtlinge an Ungarns Grenze löst hierzulande bei manchen schon den Klammergriff um das eigene Hab und Gut aus. Der erwähnte Werbeslogan provoziert diese unsicheren Menschen: Denn nun kommt die ganze Welt! Und dann noch direkt vor deren Tür! Aber das nur am Rande.

Brauchen wir tatsächlich Glasfaserleitungen? Philosophisch betrachtet sicherlich nicht. Was wir brauchen ist Luft und Liebe und andere Nahrung. Realistisch betrachtet, versuche ich mir jedoch die Entwicklung vorzustellen, die ein Dorf oder mein Haus erfährt, wenn es nicht mit auf diesen Zukunfts-Zug aufspringt. Eine optimale, maximal Internetleistung ist schon jetzt ein unverzichtbares Kriterium bei Wohnungs- und Eigenheimsuchenden, ebenso ermöglicht sie das sogenannte „Home-Office“, welches nicht nur Familien mit Kindern sehr entgegenkommt. Ferner gibt es Sicherheitstechniken für Senioren, für die eine optimale Internetversorgung Voraussetzung ist.

Wenige Generationen zurück hätte es die Frage sein können: Brauchen wir fließendes Wasser? Oder brauchen wir Strom aus der Steckdose? Auch wenn meine Ahnen weiterhin mit dem Waschbrett zum Bach liefen, so wäre ich heute dankbar, wenn sie trotz ihrer Waschgewohnheiten den Weg für fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose nicht blockiert hätten.

Tageslektüre: Beipackzettel

Tageslektüre: Beipackzettel

Fast jede Familie ist im Laufe des Jahres – auch im Hochsommer –  mindestens einmal von der Erkältungswelle, die das eigene Heim überrollt, betroffen.

Der leichte Kopfschmerz und das kratzige Gefühl im Hals bei Kind Eins läuten diese Phase ein. Mit einfachen Grundrechenarten kann sich der Rest der Familie schon mal ausrechnen, wann es sie treffen wird. Die Mutter allerdings braucht nicht zu rechnen, denn es scheint ein Naturgesetz zu geben, welches dafür sorgt, dass Mütter erst dann krank werden, wenn alle um sie herum versorgt sind.

Kind Eins also wird ungefähr eine Woche aus dem Verkehr gezogen sein, Kind Zwei wird nach circa vier Tagen eindeutige Symptome bei sich bemerken und davon berichten. Wenn alles gut geht, dann wird Kind Drei, sprich der Vater, sich aufrecht halten, bis beide Kinder wieder ganz gesund sind.

Doch die Mutter funktioniert: Wadenwickel für den einen, Milch mit Honig für die andere, Tee mit Zitrone hier, kuscheln und trösten dort. Zwischendrin zaubert sie irgendetwas Essbares, was die Appetitlosigkeit der Kinder in ein lustvolles Verlangen nach Speise umwandelt.

Das Shoppen steht in dieser Zeit ausschließlich dem noch gesunden Vater zu – das Shoppen in der Apotheke versteht sich! Die lange Bedarfsliste, deren Produkte neben all den hilfreichen, pharmaunabhängigen Hausmitteln aus Großeltern-Zeit, einen reibungslosen Ablauf im infizierten Haushalt sichern sollen, wird noch schnell vor dem Fußballspiel, aber dennoch liebevoll, von ihm abgearbeitet: Nasensprays, Halsschmerztabletten, Husten- und Fiebersaft.

Auch wenn diese Erkältungszeit jedem Einzelnen Kraft und Nerven abverlangt, so kann sie auch etwas sehr Schönes mit sich bringen: Ruhige, kuschelige Gemeinsamkeit auf dem Sofa, hetzfreies Vorlesen von Lieblingsgeschichten oder Beipackzetteln und sogar dem Fernsehgucken mitten am Tag werden heilende Kräfte zugesprochen!

Die Mutter – dank des von mir vermuteten Naturgesetzes noch funktionierend und gesund – ist gut beraten, all diese schönen Begleiterscheinungen mit den Kindern zu genießen, denn es ist absehbar, dass die schwierigste Phase der Welle noch bevorsteht. Nämlich dann, wenn der Vater anfängt, wegen leichter Erkältungssymptome sein Überleben in Frage zu stellen.

Dann hat die Mutter zwei Möglichkeiten: Entweder sie leistet mentale Aufbauarbeit, kümmert sich auch jetzt liebevoll, tröstet ihn mit Worten und Gesten, kocht sein Lieblingsessen und versichert glaubhaft eine reelle Chance seines Fortbestandes oder – auch sehr zu empfehlen – sie macht einen spontanen Kurzurlaub mit ihrer besten Freundin!

Tee oder Cappuccino?

 

Kennen Sie das? Sie wollen eigentlich nur einen Tee kaufen und genau dieses Unterfangen bringt Sie im Supermarkt in Schwulitäten…

Brummers und meine Intelligenz

 

Inspirationen – ein schönes Wort. Der eine findet sie in einem betörenden Duft, ein anderer in farbenprächtigen Blüten und wieder ein anderer in der Klarheit eines Gewässers. Mich inspirierte eine nervige, kleine Schmeißfliege zu dieser Kolumne…

Schwerhörig? Vergesslich?

 

Wer sich beim Hören dieser Kolumne „wiederfindet“, der lebt mit großer Wahrscheinlichkeit mit Teenagern unter einem Dach!

Brummers und meine Intelligenz

Brummers und meine Intelligenz

Wieso – um alles in der Welt – hat man Brummer mit so viel Intelligenz ausgestattet, dass sie einen noch so schmalen Türspalt problemlos orten können, um in einen definitiv nicht für sie vorgesehenen Lebensraum – mein Arbeitszimmer – einzudringen? Gleichzeitig – und hier liegt die Krux – hat man ihnen aber nicht genug Intelligenz mitgegeben, damit sie sich durch eben erwähnten Türspalt auch wieder auf den Rückweg begeben können. Sprich: Zurück in die Natur!

Dieser Schmalspur-Helikopter mit seinen hektischen, unentschlossenen Richtungswechseln und seinen monotonen Fluggeräuschen ist imstande, meiner konzentrierten Haltung am heimischen Arbeitsplatz binnen Bruchteilen von Sekunden ein Ende zu setzen. Brummer wirken gehetzt und unkoordiniert und genau diese Eigenschaften scheinen sie umgehend auf mich übertragen zu wollen. Hilfesuchend, fast verzweifelt, blicke ich zur schlafenden Katze. Bei ihrem Anblick wird nämlich meine aufkommende Hektik sofort im Keim erstickt – und alles, was ich am Arbeitsplatz nicht gebrauchen kann ist Hektik!

Das wiederum scheint des Brummers Kampfgeist zu wecken. Mit aller Macht scheint er mir meine Konzentration nehmen zu wollen, indem er beharrlich am Durchdringen der Doppelverglasung arbeitet. Dabei kommt mir der Gedanke, dass dieses Fliegentier, genauer gesagt die Schmeißfliege, ihren Namen erhalten hat, weil sie sich mit enormer Ausdauer wieder und wieder gegen geschlossene Glasflächen zu schmeißen scheint. Dem ist aber gar nicht so. Diese Schmeißfliege, landläufig Brummer genannt, erhielt ihren Namen, weil sie sich mit Vorliebe auf geruchsintensive, organische Stoffe stürzt. Und im Althochdeutschen bedeutet „schmeißen“ eben beschmieren oder besudeln.

Mich „besudeln“ indes die von übersteigerter Betriebsamkeit erfüllten und durch Nervosität gekennzeichneten Versuche des Brummers, den Raum durch ein nicht geöffnetes Fenster oder eine nicht geöffnete Tür zu verlassen.

Bevor ich mich weiter über eine eventuell eingeschränkte Intelligenz des Fliegentiers ärgere, besinne ich mich einer Weisheit: „Wenn du etwas verändern willst, beginne mit dem Menschen, den du jeden Morgen im Spiegel siehst!“

Ja – vielleicht sollte ich meine eigene Intelligenz auf den Prüfstand stellen, die mir anscheinend nicht immer genug Gelassenheit für Dinge ermöglicht, die nun mal so sind, wie sie sind.

Der Wäscheleinen-Blues

Der Wäscheleinen-Blues

Jetzt, wo das Wetter wieder dazu einlädt, die gewaschene Wäsche draußen an der frischen Luft zu trocknen, erinnere ich mich – zugegeben, manchmal wehmütig – an die Zeit, in der ich nach Spül- und Schleudergang all die kleinen, niedlichen Kleidungsstücke der Kinder an die Wäscheleine aufhängte. Die süßen Kleidchen und Hemdchen und die kernigen Latzhosen reihten sich aneinander, wie die „Große Straße“ beim Kniffelspiel und die Strümpfe – passend für Schuhgröße 26 – bildeten paarweise quasi das Socken-Memory. Ob sortiert oder durcheinander, der Anblick ließ zuverlässig mein Herz überlaufen und war augenblicklich in der Lage, quälende Gedanken an lästige Wäscheberge verpuffen zu lassen. Und das, obwohl mein heimischer Wäscheberg nicht selten den Titel „höchste Erhebung Schleswig-Holsteins“ verdient hätte!

Alles egal: Kleinkindklamotten streicheln die Seele!

Heute, da die Kinder groß sind, macht sich eine andere Gemütslage an der Wäscheleine breit. Die hübsch geblümten Frotteehöschen von einst wurden ausgetauscht gegen – ich nenne es mal – Plünnen, die mich glauben lassen, ich hätte eine Handvoll Stirnbänder mitgewaschen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stelle ich fest, dass derartige Stofffetzen Unterhosen sind, die in kaum einem Bereich breiter sind als Zahnseide.

Aus Sicht der Mutter: grob fahrlässig und völlig unpraktisch. Handelsübliche Wäscheklammern brauchen Stoff, den sie mit der Wäscheleine in Verbindung bringen können! Das überzeugt meine Kinder aber nicht, Unterwäsche zu tragen, die im Winter notfalls auch zu einem wärmenden Schlauchschal umfunktioniert werden kann.

Besorgniserregende Gedanken überkommen mich auch beim Aufhängen der modernen Hosen. Der Beinumfang ist im Vergleich zu den Hosen aus Kindergartenzeit unverändert – sie haben nur enorm an Länge gewonnen, was sie aus meiner Sicht zu übergroßen Reagenzglashüllen macht! Wenn meine Tochter sich morgens in dieses stretchige Outfit zwängt und acht Stunden Schule hat, dann mache ich mir Sorgen und frage mich: „Kann sie so lange die Luft anhalten? Wird die Hose ihre Blutzirkulation im Körper unterbinden?“

Aber was soll’s: Lieblingshose! Dagegen ist man als Mutter machtlos!

Wäscheleinen-Blues ist irgendwie immer: Erst erinnert man sich herzerwärmend an die süßen, kleinen Strümpfe, später schmerzhaft an Stirnbänder und Reagenzglashüllen.

 

Unzufrieden? Ist doch alles im „Flow“!

Unzufrieden? Ist doch alles im „Flow“!

Vorsicht! Diese Kolumne ist scharfzüngig – aber manchmal gehen die Gedanken einfach mit mir durch. Und außerdem: Übertreibungen verdeutlichen.

Laut einer Studie der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF ist jedes siebte Kind unzufrieden. Wie kann das hierzulande angehen?

Viele Elternteile wollen daraufhin ihre Kinder persönlich befragen und – sobald sie Zeit haben – werden sie das auch tun.

Zuerst aber müssen Mutter und Vater zur Arbeit – so funktioniert diese Gesellschaft derzeit. Das suggeriert zumindest die Politik. Kind und Job – kein Problem!
Und da man als Teil der Gesellschaft nicht aus dem Rahmen fallen möchte, macht man sich auf den Weg. Außerdem muss der gewünschte Lebensstandard, der zu einer gewaltigen „La Ola“ einlädt, bezahlt werden: Das Einfamilienhaus steht im Grünen, im Carport der Familienwagen und der Zweitwagen zum Einkaufen. Die Spielwiese der Kinder gleicht einem Freizeitpark und in den Sommer- und Herbstferien geht es für zwei Wochen mit einem Stapel Bücher an einen Pool irgendwo in Antalya.

Seitdem die Mutter auch einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, ist genug Geld für den Rechtsbeistand beim Einklagen der zweistelligen Klausurpunktzahl vorhanden. Immerhin wollen die Eltern natürlich nur das Beste für ihr Kind – wobei manchen Eltern abhandengekommen ist, dass das Beste nicht immer etwas mit einem hohen Schulabschluss zu tun hat.

Feierabend – jetzt wäre Zeit, das Kind auf das Umfrageergebnis der UNICEF anzusprechen. Aber genau jetzt mögen sie es nicht stören, denn der Sprössling ist gerade dabei, enorme Erfolge bei „World of Warcraft“ zu erzielen. Das macht die Eltern stolz, denn das PC-Spiel ist für Kinder ab zwölf Jahren geeignet und ihr Wunderkind ist erst acht! Von wegen: Verantwortung abgegeben – nein – sie sind der Meinung, dass es sich bei PC-Spielen so harmlos wie bei Kleidungsstücken verhält: Da wächst das Kind rein!

Am Wochenende – dann werden sie das Kind fragen. Ganz bestimmt! Zumindest nachdem sie ihrem 450-Euro-Job nachgegangen sind. Der sorgt dafür, dass die vielen materiellen Notwendigkeiten, die das Kind aus Elternsicht braucht, und die gleichzeitig das schlechte Gewissen der Eltern ein wenig ausgleichen, bezahlt werden können.

Am Sonntagabend bliebe Zeit, das Kind nach seinem Befinden zu fragen. Aber ehrlich gesagt sind die Eltern nach dem Checken der E-Mails, dem Beobachten der Ebay-Auktionen und dem Online-Shopping irgendwie auch k.o. und brauchen verständlicherweise dringend mal Zeit für sich, bevor eine neue Woche mit ihren hohen Anforderungen beginnt.

Während das Kind seinem Tagebuch anvertraut, wie sehr es sich nach dem nächsten liebevollen Blickkontakt zu seinen Eltern sehnt, kommen diese zur Überzeugung, dass ihr Kind mit Sicherheit nicht zu den unzufriedenen gehört. Es hat doch alles!

…bis auf gemeinsame Zeit mit entspannten Eltern.

 

 

Der überhebliche Mensch

Der überhebliche Mensch

Nicht unüblich ist es, dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Philosophie- oder Religionsunterrichtes sich mit der Frage beschäftigen, wie Gott zulassen kann, dass Menschen durch zum Beispiel Naturkatastrophen zu Tode kommen. Genau der Gott, von dem doch eigentlich nur Gutes ausgehen soll. Der Gott, der sich mühevoll sechs Tage abgeplagt haben soll, um die Welt, also auch uns Menschen, zu erschaffen bevor er dann am siebten Tag nach getaner Arbeit zufrieden die Beine hoch legte. Wie kann er so ein Unglück zulassen?

Für mich wird in dieser Frage eine kaum zu überbietende Überheblichkeit des Menschen deutlich. Bilden wir uns tatsächlich ein, dass wir über allem stehen? Dass Menschen es am meisten wert sind, geschützt und behütet zu werden?

Mir persönlich gefällt der Gedanke, dass – wer oder was auch immer – der Natur in gewissen Abständen erlaubt, mal so richtig „Halligalli“ zu machen; Ihr zugesteht, sich einen feuchten Kehricht um das zu kümmern, was die Menschen von ihr erwarten; Sie ermutigt, sich in vollem Umfang auszutoben! Ohne Rücksicht, dafür mit ausgeprägtem Blick auf die eigenen Interessen – genauso, wie es der Mensch zu handhaben pflegt. Denn das – laut Duden – „höchstentwickelte Lebewesen mit der Fähigkeit ausgestattet zu logischem Denken, zur Sprache, zur sittlichen Entscheidung und Erkenntnis von Gut und Böse“ zieht aus der Natur hochmütig Nutzen, aus dem stellenweise schon längst ein Ausnutzen geworden ist.

Zurück zum Schulunterricht: Vielleicht sind die besagten Katastrophen keine Strafen für Menschen, sondern vielmehr großzügige Geschenke an die Natur? Der Wind, der sich mal so richtig aufblasen darf, verabredet sich mit dem Regen, der pausenlos prasselt, zum Spielen und sie toben sich hemmungslos aus und rollen dabei mit kindlicher Naivität über bewohnte und unbewohnte Gebiete.

Die korrekte Frage scheint mir nicht: Wie kann Gott das zulassen? Sondern sie könnte lauten: Wieso sollte – wer oder was auch immer – das nicht zulassen, nachdem wir bereits mit der sogenannten Intelligenz nobel beschenkt worden sind, und unsere Bedürfnisse teilweise auf Kosten der Natur befriedigen?